Typisch Touri

Was muss man sonst noch gesehen oder gemacht haben in Lissabon?
Typisch für die Stadt sind die kleinen gelben Straßenbahnen, Sardinen, Kork und die zuvor schon erwähnten Pastéis de Belém. Aber was davon ist wirklich ein städtetypisches Muss und was nur eine Touristenattraktion?

Électro 28
Die kleinen gelben Straßenbahnen sind auf jeder Postkarte zu finden und auch im Straßenverkehr selbst nicht zu übersehen. Was für die Lissaboner ein alltägliches Beförderungsmittel ist, ist für Touristen ein Highlight. Die Fahrt ist ein wenig abenteuerlich mit engen Kurven, abrupten Bremsungen und vielen Menschen auf engem Raum – aber auch ein kleines Muss. Vor allem bieten sich manche Linien sehr gut als kleine Stadtrundfahrt durch Lissabon an und haben mehr Charme als die typischen roten Sightseeing-Busse.

 

Für eine schöne Runde bietet sich die Linie e28 an. Eine Tageskarte kostet nur 6,30 €, ein einzelnes Ticket mit dem man eine Stunde in eine Richtung fahren kann sogar nur 2,80 €. Sie fährt von Martim Moniz bis Campo de Ourique – eine gemütliche Fahrt durch drei verschiedene Stadtviertel. Um einen Platz zu bekommen steigt ihr am besten an der Anfangshaltestelle schon am frühen Vormittag ein. Lasst euch einfach ein Mal von ihr durch die Stadt fahren, gewinnt einen Überblick und sucht euch dabei Haltestellen aus, die euch gefallen haben. Bei der Rückfahrt könnt ihr dann einfach da aussteigen, wo ihr wollt. Auf der e28-Route befinden sich jede Menge Aussichtpunkte, Plätze mit gemütlichen Restaurants und Cafés, aber auch Sehenswürdigkeiten.

 

Praça do Comércio
Ein Ausstieg, der empfehlenswert ist der Praça do Comércio. Ein riesiger Platz direkt am Meer und angebunden an eine große Einkaufsstraße. Die Läden hier sind überwiegend typische Souvenir-Shops, Kleiderläden wie sie jeder kennt und unzählige Restaurants, die einen von der Straße abwerben, damit man bei ihnen isst. Für meinen Geschmack ist es hier zu touristisch und gar nicht gemütlich und charmant, wie ich Lissabon zuvor und an anderen Stellen wahrgenommen habe sonst immer wahrgenommen habe.

Aber verlässt man die große Shoppingstraße immer mal wieder und biegt nach links und rechts in kleinere Gassen ein, dann finden sich sympathischere Läden und Restaurants. Vor allem gibt es hier die etwas anderen Souvenirs, zum Beispiel einen Laden mit unzählig vielen Sardinendosen in allen Farben. Selbst ich als Vegetarier war fasziniert wie hübsch der Laden und die Dosen selbst gestaltet waren – aber trotzdem nicht Grund genug für mich, eine zu kaufen. Schon viel besser fand ich einen Laden mit ausgefallen T-Shirts. Typographia verkauft Shirts mit einzigartigen, kreativen Motiven. Hier kann man ein besonderes Souvenir kaufen, das einen nicht anschreit mit „I love Lisboa“, sondern zum Beispiel einfach eine Sardine cool in Szene setzt.

Hauptstraßen Lissabons, Foto: ©Jonas Armbruster
Hauptstraßen Lissabons, Foto: ©Jonas Armbruster

Falls das immer noch nichts für euch ist, wie wäre es dann mit einer Postkarte aus Kork? Oder Lesezeichen aus Kork, Schmuck aus Kork, Taschen aus Kork? Ja, Kork gibt es hier auch wirklich überall und ist ebenfalls typisch für hier.Nachtleben
Ein Muss ist es auf jeden Fall auch, einfach mal auzuschlafen, um abends genug Kraft noch zu haben, um das Nachtleben Lissabons zu erkunden.

Am besten sucht ihr euch rechtzeitig einen guten Aussichtspunkt, um den Sonnenuntergang zu sehen – schöner als hier geht es kaum. Danach könnt ihr euch entweder entscheiden, ob ihr im Bairro Alto feiern geht oder lieber gemütlich durch die Straßen zieht, euch eine kleine Bar sucht und das Treiben auf den Straßen beobachtet – beides kann ich euch nur empfehlen.

 

Aber was euch am besten gefällt oder was euer Lieblingssouvenir ist und was für euch typisch Lissabon ist, findet ihr am besten selbst heraus!

 

 

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Belém & Parque das Nações – oder: die besten Törtchen der Welt und das Expogelände

Belém
Westlich und ein wenig abseits vom Zentrum Lissabons liegt das Stadtviertel Belém – definitiv ein Muss für jeden, der sich wie ich in die berühmten Pastéis de Belém verliebt hat. Ein richtig leckeres Törtchen, welches hier vermutlich als erstes zubereitet und zu einer Spezialität Lissabons wurde. Im Hieronymus-Kloster, welches ein weiteres Muss auf der Belém-Liste ist, hatte der Mönch Rafael Alves 1837 das vermutlich beste Törtchen kreiert, was Portugal überhaupt gesehen hat – finde ich zumindest. Es ist so simpel, aber doch so unglaublich lecker: Blätterteig, Pudding-Füllung, Zimt und Zucker. Ihr findet sie zwar überall in Lissabon, aber hier im originalen Pastéis de Belem Café müsst ihr sie auch unbedingt probieren.

Vielleicht als kleine Snackpause, nachdem ihr das Hieronymus-Kloster selbst besichtigt habt. Es gehört seit 1983 zum Unesco-Welterbe und bietet eine unglaubliche Architektur. In jeder Ecke findet sich eine andere Verzierung, Schnitzerei, prunkvolle Bemalung – einfach unbeschreiblich und man muss es selbst gesehen haben.

Parque das Nações
In der anderen Richtung, östlich von Lissabon, liegt das ehemalige Expogelände. 1998 fand hier die Weltausstellung statt und erschuf ein neues Viertel in Lissabon. Es entstand fast wie aus dem Nichts und bietet heute moderne Architektur an allen Ecken. Vor allem die 17 Kilometer lange Ponte Vasco da Gama ist mehr als beeindruckend. Das Viertel stellt einen starken Kontrast zur Innenstadt Lissabons dar. Während im Herzen alles voller kleiner, verwinkelter Gässchen ist, gibt es hier weite Straßen, große Gebäude und moderne Einkaufszentren.

Falls Architektur euch aber nicht so begeistert, dann vielleicht das Océnario – Europas größtes Meerwasseraquarium.

Eigentlich bin ich kein so großer Fan von Zoos oder Aquarien, da die Haltung der Tiere nicht immer artgerecht ist. Doch Lissabons Aquarium bekommt von vielen Besuchern gute Kritik und Lob, da sie sich für den Umweltschutz bzw. Meeresschutz einsetzen. Ich wollte mir selber ein Bild machen und war positiv überrascht: Ich hatte nicht wie früher in anderen Zoos oder Aquarien das Gefühl, dass die Tiere sehr eingeengt leben. Natürlich ist kein Becken genug im Vergleich zum Meer, doch waren hier keine hundert Fische in einem kleinen Aquarium zusammengepfercht.

Darüber hinaus hingen jede Menge Infotafeln über die Tierarten, das Meer, das Klima und die Bedeutung des Umweltschutzes aus. Der Besuch hier ist also eine gute Mischung aus Tieren anschauen und Wissen vermitteln.

Ob man nun ein Fan ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden – ich kann einen Ausflug hierhin empfehlen, aber mit besonderem Augenmerk auf die vielen interessanten Infotafeln.

Kleine Kunst- und Weltreise in Lissabon

Bairro Alto
Es wird in jedem Reiseführer als das Kneipen-Viertel Lissabons beschrieben: Bairro Alto. Das stimmt zwar auch, hier lässt es sich abends gut feiern. Aber das Viertel kann so viel mehr. Vor allem ist es das Herz der Street Art Szene in Lissabon. Egal wo man hinschaut, sie sind überall: Bunte Bilder, ausgefallene Kunstwerke und ein Tag (Unterschrift eines Sprayers) neben dem anderen.

Als der Graffiti-Trend in den 1980ern Europa erreichte, bereitete dies Lissabon erst mal Probleme. Die Bewohner sahen die Graffitis als Vandalismus an und sie weiß zu überstreichen war praktisch eine Einladung erneut darauf zu sprühen.
Wie „bekämpft“ man solche Kunst also? Ganz einfach, man lädt die Sprayer offiziell ein. Die Stadt veranstaltete vor ein paar Jahren ein Festival zu Ehren der Street Art. Sie engagierten berühmte Künstler und stellten ihnen bestimmte Wände in der ganzen Stadt verteilt zu Verfügung. So entstand eine riesiger öffentliche Street Art Galerie. Regelmäßig wird manche Kunst restauriert oder, wenn sie zu beschmiert oder beschädigt ist, ein neuer Künstler engagiert. Lissabon wuchs heran als eine Metropole der Street Art. Künstler wie Obey, Exit Enter und Bordalo haben hier ihre für sie typische Kunst und einzigartigen Motive hinterlassen.

Street Art Tour
Aber wie findet man die teilweise sehr kleinen Werke in so einer großen Stadt? Lisbon Street Art Tours weiß euch zu helfen. Sie bieten private oder offene Touren ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl an. Und das beste an der offenen Tour: Ihr zahlt so viel, wie ihr wollt. Und das Geld ist es auf jeden Fall Wert. Unser Guide konnte sehr gut Englisch, erklärte voller Enthusiasmus die Kunst an den Wänden, ihre Geschichte und ihre Bedeutung und freute sich über jede Frage.

Ich selber kann weder zeichnen noch sprayen und habe ich mich eher wenig mit dem Thema Street Art auseinandergesetzt. Aber jetzt nach dieser Tour bin ich definitiv ein Fan! Unser Guide hat uns nicht nur einiges über die Technik des jeweiligen Künstlers erzählt, sondern auch über die Botschaft hinter seiner Kunst und den Künstler selbst – meist steckt so viel mehr dahinter als man als Laie erkennt.

Cristo Do Rei
Passend zu der Street Art Tour kann man im Bairro Alto noch eine Fähre über den Tejo zur Cristo Rei Statur nehmen. Sie startet von Cais do Sodré, kostet 2,35 € und bietet eine perfekte Sicht auf die Ponte 25 de Abril – die berühmte Brücke, die der Golden Gate Bridge ähnelt.

Blick von der Fähre, Foto: ©Jonas Armbruster
Blick von der Fähre, Foto: ©Jonas Armbruster

Um die Street Art Tour jetzt also perfekt abzuschließen, müsst ihr nun auf den Bus verzichten und zu Fuß weitergehen. Es steht euch dann zwar ein langer und am Ende steiler Weg bevor, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Wenn ihr aus der Fähre aussteigt, müsst ihr rechts in Richtung Wasser gehen. Und schon präsentiert sich euch der lohnende Teil: Ihr steht direkt am Wasser, habt eine perfekte Aussicht hinüber nach Lissabon und links von euch eine unendlich lange Backsteinwand mit einem Graffiti neben dem anderen – nach der Street Art Tour erkennt man auch genau, wo sich ein bekannter Sprayer dazwischen befindet. Hier empfehle ich euch einfach den Kopf abzuschalten und die Kunst bei einem gemütlichen Spaziergang am Meer zu genießen.

Folgt nun einfach den Schildern zur Cristo Rei Statur oder steigt doch noch in einen Bus ein und lasst euch hochfahren. Schon am Fuße der Statur bietet sich euch ein unglaubliches Panorama: Man schaut von oben herab auf die Küste unter einem und gegenüber auf ein Lissabon wie von einer Postkarte, links die „Golden Gate Bridge“, hinter einem die Cristo Rei Statur: Nur hier bekommt man Rio- und San Francisco-Feeling gleichzeitig.

Wenn ihr eine noch bessere Aussicht wollt, dann könnt ihr noch auf die Statur hochfahren und weitere 75 Meter höher Lissabon bewundern.

 

„Glückwunsch, es geht nach Lissabon!“

Meine nächste Reise ging in die Hauptstadt Portugals: Lissabon. Die Qual der Wahl, wo es hingehen sollte, fiel dieses Mal weg und wurde mir abgenommen. Wie das so geht? „Blind Booking“ heißt die Lösung auf das Problem, sich in einer Gruppe auf ein Ziel zu einigen – oder auch wenn man sich selbst nicht entscheiden kann.

Blind Booking
Was ist das? Der Name verrät es schon: Man bucht einen Flug für einen Pauschalpreis, ohne zu wissen wo es hin geht. Wir entschieden uns für Lufthansa als Anbieter, aber es gibt noch jede Menge andere Fluggesellschaften mit solch einem Angebot.
Man kann sich zwischen verschiedenen Kategorien wie zum Beispiel „Follow the Sun“ oder „Urban Adventures“ entscheiden und für einen Aufpreis von zwei Euro bestimmte Städte streichen. Ab hier wird der Flug wie jeder andere gebucht und am Ende wird einem verraten, wo es hingeht. In unserem Fall: „Glückwunsch, es geht nach Lissabon!“.
Da man direkt erfährt wo es hingeht, hat man auch keine Probleme bei der Suche nach einer Unterkunft. Vor allem in Lissabon mangelt es nicht an günstigen Hostels und Airbnb Unterkünften.

Das einzige „Problem“ an Lissabon: Es gibt einfach viel zu viel zu sehen – folglich viel zu viel zu berichten. Daher versuche ich meine Blogeinträge nach den Stadtvierteln zu sortieren, damit ihr nicht den Überblick verliert und meine Tipps hilfreich sind.

Panorama von Lissabon, Foto: ©Denise Ott
Panorama von Lissabon, Foto: ©Denise Ott

Alfama
Starten wir mit Alfama, dem ältesten Viertel Lissabons. Hier befand sich unsere Airbnb-Unterkunft und besser hätte es von der Lage her kaum sein können. Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist einfach und vor allem günstig. Die Metrolinien vom Flughafen in die Stadt sind übersichtlich und verkehren regelmäßig.

Kleiner Tipp: Kauft euch direkt zu Beginn eures Urlaubs die „Via Viagem“-Karte für 50 Cent an einem Automaten. Diese könnt ihr immer wieder mit einem bestimmten Betrag oder einzelnen Fahrten aufladen und am Gleis entwerten – so spart ihr Zeit und Geld. Für 1,20€ könnt ihr eine Stunde lang in eine Richtung fahren und eine Tageskarte für ganz Lissabon kostet sogar nur 6,20€.

Von dem Viertel läuft man knapp 15 Minuten bis zum Zentrum Lissabons, zum Praça do Comércio. Auch per Bus, Metro oder Straßenbahn ist man hier sehr gut angebunden, doch ich kann euch nur empfehlen, so viel wie möglich zu laufen. Man entdeckt immer wieder neue kleine Gässchen mit charmanten Restaurants und gemütlichen Bars. Auch wenn das viele hoch und runter Laufen anstrengend werden kann, ist es das auf jeden Fall wert. Vor allem die landestypischen Fliesen der alten Häuser kann einem die Metro nicht bieten. Im Kontrast zu den Fliesen stehen die modernen Graffitis, die ebenfalls typisch für Lissabon sind  aber dazu später mehr.

In Alfama befindet sich die Igreja de Santa Engrácia, das heutige National-Pantheon Portugals. Hier liegen portugiesische Nationalhelden, wie zum Beispiel Eusebio, ein portugiesischer Fußballspieler begraben – die wahre Religion Portugals ist nämlich der Fußball.
Der Eintritt kostet nur vier und für Studenten sogar nur zwei Euro – kein Preis für diese unbeschreibliche Architektur und die schöne Aussicht von der Kuppel.

Musik & guter Wein – so ist Alfama
Alfama eignet sich perfekt dazu, um tagsüber die Gässchen zu erkunden und abends schön von Bar zu Bar zu ziehen.
Mein persönliches Highlight war die Tejo Bar. Ein kleiner Raum, ganz versteckt und unscheinbar von außen, innen nur ein paar kleine Hocker und Tische. Das Besondere: Man kommt rein, sieht die vielen Instrumente an den Wänden, nimmt sich einfach eins, spielt und die ganze Bar hört zu. Es spielt keine Rolle, ob man Profimusiker ist oder nur ein, zwei Lieder kennt. Selbst wenn man gar kein Instrument kann, hört man einfach den anderen zu und genießt.

Hier scheint jeder jeden zu kennen und seine Stammauftritte zu haben. Es war von amerikanischer Musik bis hin zu typischer portugiesischer Musik alles zu hören. Auch Fado, der portugiesische Musikstil mit einer unglaublichen Sängerin und einer Fado-Gitarre war dabei.

Es war der perfekte Abend: Ein Glas Wein, unglaubliche, offene Menschen, ein fast schon familiäres Zusammensein und gute Musik. Mehr Lissabon-Feeling als an diesem Abend hatte ich die ganze Woche nicht.

 

Stockholm – das Venedig des Nordens

Was tun, wenn man nur einen Tag in Stockholm hat? So ging es meiner Schwester und mir nach unserem Husky-Wochenende.
Von dem Flughafen Arlanda kamen wir mit dem „Arlanda Express“ innerhalb 20 Minuten direkt in die Stadtmitte von Stockholm. Von da aus waren es ungefähr zehn Gehminuten zu unserem Ziel: Gamla Stan – die Insel mit den süßesten Gässchen, Lädchen und Häusern.
Hier schlenderten wir durch die kleinen, alten Gassen, bummelten durch Läden und spazierten am Ufer entlang.

 

Durch eben diese verwinkelten Straßen, die kleinen Geschäfte und die Boote auf dem Wasser hat man tatsächlich das Gefühl man sei in Venedig. Nur dass dieses Venedig eben ein wenig kälter ist. Mit -3° und ein paar Schneeflocken, aber angenehm (immerhin wärmer als -25° wie zwei Tage zuvor). Sogar jede Menge italienische Restaurants gibt es hier.


Auf typisch schwedische Dinge sind wir aber natürlich auch getroffen. Vor allem die Läden, welche Deko Artikel oder Souvenirs verkaufen, sind voll von schwedischen Berühmtheiten: Astrid Lindgren und all ihre Figuren finden sich überall wieder – sogar auf dem 20-Kronen-Schein. Die Mumins, Nils Holgerson, ABBA und letztlich auch die königliche Familie sind an jeder Ecke.
Vor dem königlichen Schloss („Kungliga slottet“) standen wir natürlich auch. Um ehrlich zu sein: Es ist nicht ganz so beeindruckend wie erwartet. Es ist sehr schlicht im Vergleich zum Rest der Stadt.

 

Von innen kann ich dies leider nicht beurteilen. Da wir eben nur diesen einen Tag hatten, wollten wir so viel Zeit wie möglich draußen verbringen. So blieben auch leider die unzähligen Museen auf der Strecke.
Aber alles was wir nicht sehen konnten ist ein Argument, um noch ein Mal wieder zu kommen. Und das kann ich nur jedem empfehlen, der mal nach einem Ziel für einen Kurzurlaub sucht. Die Stadt hat ihr ganz eigenes Flair und dabei ist es egal, ob man sie im Winter oder im Sommer besucht.

Huskyfarm Tväråträsk

„-25° ist das perfekte Wetter. Ihr habt Glück!“ So begrüßte uns Daniela am Flughafen in Lycksele, Schweden. So richtig konnten meine Schwester und ich dieses „Glück“ da noch nicht fassen. Was ich auf jeden Fall als Glück empfand war, dass wir endlich in Lycksele angekommen sind und nur noch eine Nacht meinem Kindheitstraum im Weg stand: Mit einem Husky-Schlitten durch die Winterlandschaft zu fahren.

Auf der Huskyfarm Tväråträsk von Daniela und Jens endlich angekommen, wurden wir schon mit Gejaule begrüßt. 75 Huskys, davon 10 Rentner und 5 Welpen,  freuten sich über den Besuch. Und ich konnte es kaum erwarten sie kennen zu lernen.
Nach einem Nachtmahl – einer sehr leckeren, selbstgemachten Karottensuppe von Jens – ging es in unser super gemütliches Haus für die kommenden drei Nächte. Es war mit sehr viel Liebe eingerichtet und wir fühlten uns sofort wohl.

Am nächsten Tag ging es dann endlich los. Daniela gab uns Einweisungen, wie der Schlitten zu lenken und zu bremsen ist. Das Kommando zum Stehenbleiben ist ein langgezogenes „Stoh“ und für das weiterlaufen „Yip“. Es waren doch recht viele Informationen auf einmal und ich wurde nervös. Ich wollte weder mit dem Schlitten umkippen, noch die Hunde dabei verletzen.
Bevor es aber auch praktisch für uns los ging, startete vor uns zunächst einmal eine sechsköpfige Gruppe ihre Tour. Es ist verrückt wie wild die Hunde auf das Rennen sind! Sie stürmen auf den Schlitten zu, jaulen, bellen, jammern und wollen nur noch rennen – mit 30 Hunden entsteht so ein höllischer Lärm.

Als die Gruppe in der Winterlandschaft verschwunden war, kam der Moment für meine Schwester und mich unsere Hunde kennen zu lernen und ich wurde immer mehr nervös. Daniela machte einen Rundgang mit uns durch die Gehege und stellte uns unsere „Lead-Dogs“ und „Wheel-Dogs“ vor. Mein Gespann bestand aus Ponca, Salto, Molly und Tagish. Ich holte nach und nach meine Hunde heraus und schnallte sie an den Schlitten – das gelang mir schon mal. Nach dem alle befestigt waren schoss als erstes Daniela mit ihren Hunden weg, dann meine Schwester und letztlich ich.

Es ist unglaublich, welche Kraft die Hunde haben! Zu viert ziehen sie mich und den Schlitten über den tiefen Schnee. Kaum waren wir vom Gelände runter, erblickte ich eine ewig weite, weiße Landschaft – wobei ich das erst am zweiten Tag so richtig wahrnahm. Jetzt war mein einziger Gedanke, mich auf dem Schlitten zu halten. Die Hunde erreichen bis zu 18 km/h, was sich auf dem Schlitten doppelt so schnell anfühlt.
Während der Fahrt wechselte die Landschaft von flachen Gebieten zu dichten Wäldern und dann wieder zu der flachen und weiten Schneelandschaft. Weit und breit war weder ein Berg, noch ein Haus oder irgendetwas zu sehen.

Nur einmal während der Fahrt sahen wir ganz weit entfernt zwei Elche – zum Glück haben die Hunde sie nicht gehört, sonst hätten sie sie jagen wollen.
Wir machten immer wieder kleine Pausen, damit die Hunde durchatmen konnten. Doch ich hatte das Gefühl, dass sie das gar nicht brauchten: Kaum stand man mal 10 Sekunden, schon beschwerten sie sich, weil sie weiter wollten und jaulten los.
Nach ungefähr 20 Kilometern machten wir unsere Mittagspause. Da die Hunde den Ort schon kennen, verstanden sie, dass es eine längere Pause gibt und beschwerten sich nicht. Wir lockerten die Leinen, damit sie sich freier bewegen konnten und jeder bekam einen Snack. Auch wir bekamen einen: Daniela hatte leckere Sandwiches für uns vorbereitet und grillte sie über dem Feuer. Sogar Nachtisch gab es: Selbstgemachte Haferkekse.

Schon ging es weiter, noch 10 Kilometer bis zurück zur Farm. Langsam aber sicher freute ich mich über das Ende der Tour, denn so viel Spaß sie auch machte, meine Füße und Hände waren verdammt kalt. An der Farm angekommen, schnallten wir die Hunde ab und brachten sie zurück in die Gehege. Schon war der erste Tag der dreitägigen Tour vorbei – dunkel war es dann auch schon um 15 Uhr. Wir duschten erst Mal heiß und halfen um 17 Uhr die Hunde zu füttern. Da die andere Gruppe über Nacht weg blieb, waren nicht ganz so viel zu tun.

Tag zwei stand an und es war der gleiche Ablauf: Schlitten holen und festbinden, Hunde holen und festbinden, lautes Gebelle und los ging`s. Dieses Mal ein anderer Weg, aber auch ungefähr 30 Kilometer. Selbst nach dem langen Weg gestern, waren die Hunde einen Tag später schon wieder fit und total versessen darauf, zu rennen. Auch ich hatte mich auf den zweiten Tag total gefreut. Jetzt hatte ich ein Gefühl für das Lenken, die Hunde und es war sogar 10° wärmer.

Die eisigen Temperaturen waren zwar hart, aber die Hunde und das einzigartige Erlebnis waren es wert! Sowohl die Tiere als auch die Landschaft sind unbeschreiblich. Auch Daniela und Jens haben sich super um uns gekümmert – mindestens genauso gut wie um ihre Hunde. Ihr Rudel kann sich glücklich schätzen bei ihnen zu leben und wir hatten Glück dieses Abenteuer mit ihnen erleben zu dürfen!

Meine Nationalpark-Tour

Kananaskis Country, Foto: ©Denise Ott

Wie erhofft, habe ich tatsächlich noch jede Menge Tiere unterwegs gesehen, die ich nicht im Center behandelt habe!
Aber erst mal von vorne. Los ging es in Banff mit zwei Gondelfahrten auf die Berge rund um die Stadt und unbeschreiblichen Aussichten.

Über Lake Louise fuhr ich zum Jasper Nationalpark, wo ein bisschen gebummelt wurde und noch viel interessanter: Wo ich meine ersten Tiere in freier Wildbahn gesehen habe. Hier gab es unzählig viele Hirsche! Sie haben sich alle am Morgen am Straßenrand in großen Gruppen versammelt und ganz gemütlich gegrast, sich fotografieren lassen und von all den angehaltenen Autos voller neugieriger Touristen überhaupt nicht irritieren lassen. Am Tag darauf folgten Elche, Berg-Ziegen und jede Menge Eichhörnchen. Nicht nur Tiere kamen hier vor, sondern auch schon jede Menge Schnee.

Nach Jasper ging es über einen Pass unterhalb des Mount Robson nach British-Columbia in den Glacier Nationalpark, es folgte der Revelstoke National Park, der Yoho Nationalspark sowie der Kootenay Nationalpark und zuletzt eine lange Fahrt nach Edmonton zurück und letztlich schon zum Flughafen nach Hause.
Alle diese Parks waren voll mit Tieren! Elche, Kojoten, Wölfe, Bighorn Sheep und Adler – gefehlt hat lediglich ein Bär, der hätte meine Liste mit Tieren komplett gemacht – das ist wohl ein Grund wieder zu kommen!

Unterwegs habe ich tatsächlich schon immer mal wieder das MRWC vermisst. Öfters habe ich mich gefragt, was wohl unsere Tiere alle gerade machen, wie es den anderen Freiwilligen geht und was es Neues gibt. So muss ich wohl erst recht wieder kommen!

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass sich die 3000 Kilometer lange Fahrt mit dem Auto durch die ganzen Gebirge auf manchmal abenteuerlichen Straßen und teils sogar Schotterpisten sehr gelohnt haben! Die Rocky Mountains sind unvergleichlich. Riesig und vielfältig. Kaum sieht man einen sehr kantigen kahlen Berg, schon ist gegenüber ein anderer, runder mit Bäumen übersäht zu sehen, der am Fuß ein riesiges Flussbett zu bieten hat. Der Anblick versetzt einen mit nur ein bisschen Fantasie um Jahrhunderte zurück und man kann sich sehr gut vorstellen, wie Indianer durch diese ewig weiten Gebiete gezogen sind und wie sie auch Herden von Bisons wohl gejagt haben. Die habe ich zwar auch leider nicht gesehen, aber dafür alles andere, was man braucht, um glücklich und zufrieden wieder heimfahren zu können. Diese Route ist nicht nur laut dem Reiseführer von National Geographics unter den Top 100 Routen, die man in seinem Leben fahren muss, sondern definitiv auch eine, die ich weiter empfehlen würde.

 

3 Monate, 12 Wochen, 93 Tage

Hawk, Foto: ©Denise Ott

3 Monate, 12 Wochen, 93 Tage und eine Jahreszeit später: So lange bin ich hier in Kanada und so viel Zeit ist tatsächlich schon um! Der Herbst steht vor der Tür und für uns im Center heißt das: Jede Menge Tiere noch vor Wintereinbruch freilassen. Für alle Vögel, die fliegen können und alle Säugetiere, die sich vollständig erholt haben, steht ganz klar an: Frei lassen, damit ihnen genug Zeit bleibt sich für den Winter vorzubereiten. So hab ich erst vor wenigen Tagen einen „Hawk“ (Falke) freigelassen.

Für mich heißt das, dass auch meine Zeit im Centre vorbei ist. Ich habe hier so viele Tiere gesehen und vieles über sie gelernt, was sie nun noch faszinierender macht. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass Eulen die Knochen ihrer Beute nicht verdauen können und sie wieder auswürgen müssen, Elstern für verstorbene Familienmitglieder eine Art Beerdigung abhalten, Hawks mit ihrem Kot ihr Revier markieren – so sahen leider auch ihr Gehege aus – und Stinktiere mehrere Wochen brauchen, um die wenigen Tropfen in ihrer Stinkdrüse wieder herzustellen. Und noch so einiges mehr, was ich gar nicht alles hier aufzählen kann!
Ganz klar war das Freilassen der Tiere immer einer der schönsten Momente für mich. Es war faszinierend mit anzusehen, wie sie endlich wieder in der Luft frei und weit fliegen, im Wasser planschen oder auf dem offenen Feld ihren Artgenossen entgegenrennen.

Genau aus diesem Grund war ich hergekommen und genau diese Momente waren die Anstrengung während der Arbeit wert. Ich hatte das Gefühl, etwas Gutes zu tun, zu helfen und das Richtige mit meiner Arbeit zu erreichen – also genau das, was ich mir vorgenommen habe.

Neben den Wildtieren habe ich auch meine stetigen tierischen Begleiter wie Sofia, Eliott, Luca, Paul(a) und Otis ins Herz geschlossen und werde sie auf jeden Fall vermissen! Sie sind alle einzigartige Tiere, denen wir hier eine etwas andere zweite Chance auf ein Leben gegeben haben. Und sie genießen es nicht nur, sie bringen auch uns immer wieder Freude.
Was mir während dem Projekt auch klar geworden ist: Ich tue das hier definitiv mit den richtigen Leuten! Carol Kelly, ihr Mann Grant und all die Angestellten lieben die Tiere und leben ihren Job mit viel Begeisterung. Sie waren sehr dankbar für jeden Freiweilligen, der ihnen hier mit dem Vollzeitjob unter die Arme greift, denn schließlich ist das MRWC 24 Stunden, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr für verletzte Tiere offen – auch an Weihnachten oder sonstigen Feiertagen. Das Wildlife Centre ist Carols Leidenschaft und es hat mir dadurch nur noch mehr Spaß gemacht! Ich werde definitiv irgendwann einmal wieder kommen und kann jedem Tierfreund dieses Projekt hier in Alberta nur empfehlen. Man hilft hier hautnah bei der Tierpflege, kümmert sich selbständig um seine Patienten, ist live bei den Freilassungen dabei und hat nebenbei noch jede Menge Spaß!

Nicht nur Tiere und Carol habe ich hier kennengelernt. Auch jede Menge neue Freunde habe ich hier gefunden, mit ihnen die Zeit erlebt, jede Menge schöne Erinnerungen gesammelt und schon Pläne für ein Wiedersehen in Kanada geschmiedet.

Nach dem Abschied aus dem Centre geht es für mich aber nicht direkt wieder nach Deutschland, sondern erst noch ein bisschen die Rocky Mountains erkunden. Vermutlich mit einem etwas anderen Blick als die meisten Touristen hier. Immer schön auf die Natur und die Tierwelt achtend werde ich hier noch ein paar schöne Tage verbringen – vielleicht auch noch das ein oder andere Tier sehen, welches wir nicht im Center hatten.

Jasper Nationalpark, Foto: ©Denise Ott

Jasper Nationalpark, Foto: ©Denise Ott

Luka – Red Tail Hawk

Luka, Foto: ©Denise Ott

Ein weiteres unserer Education Animals ist Luka. Sie kam zu uns als sie gerade wenige Tage alt war und sah uns Menschen als erstes. So passierte, was nun ein mal in der Natur der Vögel liegt: Sie sah uns, dachte sie ist einer von uns und hält sich nun für einen Menschen.
Jegliche Versuche sie wieder mit anderen Falken zusammenzusetzen, damit sie lernt einer zu sein, waren erfolglos. Sie blieb der festen Überzeugung eine von uns zu sein und liebt es, Zeit mit Carol und den anderen Angestellten zu verbringen. Schnell zeigte sich auch ihre Eignung als ein sehr gutes „Education Animal“. Menschen sind sehr interessiert an Falken, doch wissen wenig über sie. Dank Luka kann man ihr Interesse an Programmen wecken und ihnen viel über Lukas Artgenossen, aber auch über andere Tiere und die Natur beibringen.
Darüberhinaus ist Luka auch noch sehr gesprächig! Immer zwitschert sie fröhlich vor sich hin, wenn jemand an ihr vorbeiläuft, und manchmal denkt man bei der Fütterung fast, dass sie danke sagt.

Sie ist ein wunderschöner Falke mit viel Charakter, Temperament und ein kleiner Programm-Liebling. Auch wenn sie sich für einen Menschen hält, ist sie ein nicht wegzudenkendes „Education Animal“!

Neue Familienmitglieder im MRWC

Eliott & Paul(a), Fotos: ©Denise Ott

Manchmal kommt es vor, dass wir einen unserer tierischen Patienten nicht wieder auswildern können. Nicht etwa, weil sie versterben, sondern einfach weil sie Verletzungen haben, die es ihnen unmöglich machen in der Natur zu überleben. Davon gibt es so einige: Blindheit oder verletzte Krallen bei Greifvögeln machen ihnen das Jagen unmöglich und folglich verhungern sie, Wasservögel mit stark verbogenen oder gar ganz gebrochenen Schnäbeln sind ebenfalls unfähig genug Nahrung zu sich zu nehmen, zu freundliche Säugetiere nähern sich belebten Städten oder Straßen und kommen dann durch Unfälle zu Tode.

Leider ist es dem MRWC aus Geld-, Platz- oder gar rechtlichen Gründen nicht möglich immer alle Tiere mit solchen Vorgeschichten zu behalten. Doch momentan sind wir dabei, zwei ganz besondere Tiere an uns Menschen zu gewöhnen und ihnen so eine Chance geben, einfach zu leben! Sie sollen als sogenannte „Education Animals“ ausgebildet werden und Carol Kelly bei Programmen in Schulen, Vereinen, Veranstaltungen, Spendensammlung-Events und ähnlichem begleiten. Aktuell haben wir drei Education Animals, die diesen Job schon vorbildlich erledigen: Unsere Sofia („Great Grey Owl“), unser Otis („Great Grand Owl“) und unsere Luca („Swainson Hawk“).

Einer unserer neuen tierischen Freunde heißt Eliott – genauer „Eliott, The Skunk“. Er ist schon seit drei Monaten bei uns. Man fand ihn nicht alleine, sondern mit seinen ganzen Geschwistern. Doch er unterschied sich von ihnen und fiel sofort auf: Er war sehr klein, sehr leise und hinzu kam noch, dass er nur drei Beine und einen sehr kleinen Schwanz hat. An sich sollten ihn diese kleinen Behinderungen nicht an einem Leben in der Wildnis hindern, doch leider war er zusätzlich stark unterernährt. Wir gehen davon aus, dass er aufgrund seiner Größe und Stille, von seiner Mutter übersehen wurde und dadurch nicht genug Nahrung bekam. Er gewöhnte sich sehr schnell an uns Menschen, sprühte nie, liebte es zu kuscheln und schnell war klar: Er kann aufgrund seiner momentanen Schwäche nicht so schnell wieder ausgewildert werden und er würde es mit so einem kleinen Schwanz schwer haben, sich gegen andere Stinktiere durchzusetzen. Somit verließen seine fitten Geschwister uns sehr schnell wieder, Eliott hingegen blieb. Und schon hatten wir ein neues MRWC-Familienmitglied und „Education Animal“. Täglich gehen wir mit ihm spazieren und kuscheln mit ihm. Es ist ihm anzusehen, wie wohl er sich bei uns fühlt und dass er uns für seine Familie hält. Und das mit der Familie meine ich auch so: Er spielt mit uns als wären wir seine Geschwister. Stinktiere spielen in dem sie aufstampfen, auf dem Boden kratzen und antäuschen zu sprühen – genau das macht er. Aber zum Glück täuscht er nur an zu sprühen – denn der Gestank  ist wirklich widerlich! Bald wird aus rechtlichen Gründen seine Stinkdrüse operativ entfernt, denn Wildlife Centres dürfen nur unter dieser Voraussetzung Stinktiere legal halten und von ihm geht dann auch keine stinkige „Gefahr“ mehr aus.

Seit zwei Wochen haben wir einen „Turkey Voiture“ – Truthahn. Anders wie Eliott befand sich der Truthahn eigentlich in einem sehr guten Zustand. Er wurde am Straßenrand gefunden und wollte einfach nicht wegfliegen. Nach dem wir ihn ein paar Tage im Centre behielten, er von alleine aß und keine weiteren Verletzungen festgestellt werden konnten, brachten wir ihn nach draußen in ein großes Gehege, damit er sich wieder an mehr Platz gewöhnt und das Fliegen übt. Doch hier war das Problem: Er wollte einfach nicht fliegen, egal was wir versuchten. Wir wollten ihn aufschrecken, haben sein Essen weit oben hingelegt, ihn sanft hochgeworfen, um Starthilfe zu geben – doch immer blieb er auf dem Boden sitzen. Carol fuhr extra drei Stunden mit ihm raus nach Drumheller, da es dort sehr viele Truthähne gibt. Sie ließ ihn frei, andere seiner Art kamen sogar interessiert angeflogen, er jedoch blieb unbeeindruckt sitzen, lief nicht einmal weg. Nach diesem Versuch war klar: Er ist zu gesund, um ihn einfach einzuschläfern, würde aber draußen in Freiheit nicht überleben, weil er einfach zu friedfertig ist und noch nicht  einmal vor uns weg laufen möchte. Also haben wir noch ein neues Mitglied hier in unsere Truppe. Momentan sind wir dabei, ihn an uns  zu gewöhnen und von Menschen direkt Nahrung anzunehmen. Jeden Gopher legen wir einzeln mit der Hand in sein Gehege, versuchen sogar, dass er es direkt von unserer Hand nimmt. Hierbei braucht man allerdings noch ziemlich Geduld, da er erst isst, wenn sein Fressen auf dem Boden vor ihm und nicht auf unserer Hand liegt. Doch ich glaube, dass er sich bald an uns gewöhnt, versteht, dass wir ihm nichts tun und ich hoffe er fühlt sich bald wohl. Einen Namen haben wir auch schon gefunden: Paula – oder Paul, da das Geschlecht noch nicht ganz geklärt werden konnte. Turkey Voiture Männchen und Weibchen unterscheiden sich nämlich nur in der Größe um wenige Zentimeter, und da Carol noch nie einen längere Zeit bei sich hatte, gestaltet sich die Definition noch etwas schwierig – wahrscheinlich bleibt uns nur ein DNA Test über die Feder übrig. Ich werde euch über das Ergebnis auf jeden Fall berichten!