Stockholm – das Venedig des Nordens

Was tun, wenn man nur einen Tag in Stockholm hat? So ging es meiner Schwester und mir nach unserem Husky-Wochenende.
Von dem Flughafen Arlanda kamen wir mit dem „Arlanda Express“ innerhalb 20 Minuten direkt in die Stadtmitte von Stockholm. Von da aus waren es ungefähr zehn Gehminuten zu unserem Ziel: Gamla Stan – die Insel mit den süßesten Gässchen, Lädchen und Häusern.
Hier schlenderten wir durch die kleinen, alten Gassen, bummelten durch Läden und spazierten am Ufer entlang.

 

Durch eben diese verwinkelten Straßen, die kleinen Geschäfte und die Boote auf dem Wasser hat man tatsächlich das Gefühl man sei in Venedig. Nur dass dieses Venedig eben ein wenig kälter ist. Mit -3° und ein paar Schneeflocken, aber angenehm (immerhin wärmer als -25° wie zwei Tage zuvor). Sogar jede Menge italienische Restaurants gibt es hier.


Auf typisch schwedische Dinge sind wir aber natürlich auch getroffen. Vor allem die Läden, welche Deko Artikel oder Souvenirs verkaufen, sind voll von schwedischen Berühmtheiten: Astrid Lindgren und all ihre Figuren finden sich überall wieder – sogar auf dem 20-Kronen-Schein. Die Mumins, Nils Holgerson, ABBA und letztlich auch die königliche Familie sind an jeder Ecke.
Vor dem königlichen Schloss („Kungliga slottet“) standen wir natürlich auch. Um ehrlich zu sein: Es ist nicht ganz so beeindruckend wie erwartet. Es ist sehr schlicht im Vergleich zum Rest der Stadt.

 

Von innen kann ich dies leider nicht beurteilen. Da wir eben nur diesen einen Tag hatten, wollten wir so viel Zeit wie möglich draußen verbringen. So blieben auch leider die unzähligen Museen auf der Strecke.
Aber alles was wir nicht sehen konnten ist ein Argument, um noch ein Mal wieder zu kommen. Und das kann ich nur jedem empfehlen, der mal nach einem Ziel für einen Kurzurlaub sucht. Die Stadt hat ihr ganz eigenes Flair und dabei ist es egal, ob man sie im Winter oder im Sommer besucht.

Huskyfarm Tväråträsk

„-25° ist das perfekte Wetter. Ihr habt Glück!“ So begrüßte uns Daniela am Flughafen in Lycksele, Schweden. So richtig konnten meine Schwester und ich dieses „Glück“ da noch nicht fassen. Was ich auf jeden Fall als Glück empfand war, dass wir endlich in Lycksele angekommen sind und nur noch eine Nacht meinem Kindheitstraum im Weg stand: Mit einem Husky-Schlitten durch die Winterlandschaft zu fahren.

Auf der Huskyfarm Tväråträsk von Daniela und Jens endlich angekommen, wurden wir schon mit Gejaule begrüßt. 75 Huskys, davon 10 Rentner und 5 Welpen,  freuten sich über den Besuch. Und ich konnte es kaum erwarten sie kennen zu lernen.
Nach einem Nachtmahl – einer sehr leckeren, selbstgemachten Karottensuppe von Jens – ging es in unser super gemütliches Haus für die kommenden drei Nächte. Es war mit sehr viel Liebe eingerichtet und wir fühlten uns sofort wohl.

Am nächsten Tag ging es dann endlich los. Daniela gab uns Einweisungen, wie der Schlitten zu lenken und zu bremsen ist. Das Kommando zum Stehenbleiben ist ein langgezogenes „Stoh“ und für das weiterlaufen „Yip“. Es waren doch recht viele Informationen auf einmal und ich wurde nervös. Ich wollte weder mit dem Schlitten umkippen, noch die Hunde dabei verletzen.
Bevor es aber auch praktisch für uns los ging, startete vor uns zunächst einmal eine sechsköpfige Gruppe ihre Tour. Es ist verrückt wie wild die Hunde auf das Rennen sind! Sie stürmen auf den Schlitten zu, jaulen, bellen, jammern und wollen nur noch rennen – mit 30 Hunden entsteht so ein höllischer Lärm.

Als die Gruppe in der Winterlandschaft verschwunden war, kam der Moment für meine Schwester und mich unsere Hunde kennen zu lernen und ich wurde immer mehr nervös. Daniela machte einen Rundgang mit uns durch die Gehege und stellte uns unsere „Lead-Dogs“ und „Wheel-Dogs“ vor. Mein Gespann bestand aus Ponca, Salto, Molly und Tagish. Ich holte nach und nach meine Hunde heraus und schnallte sie an den Schlitten – das gelang mir schon mal. Nach dem alle befestigt waren schoss als erstes Daniela mit ihren Hunden weg, dann meine Schwester und letztlich ich.

Es ist unglaublich, welche Kraft die Hunde haben! Zu viert ziehen sie mich und den Schlitten über den tiefen Schnee. Kaum waren wir vom Gelände runter, erblickte ich eine ewig weite, weiße Landschaft – wobei ich das erst am zweiten Tag so richtig wahrnahm. Jetzt war mein einziger Gedanke, mich auf dem Schlitten zu halten. Die Hunde erreichen bis zu 18 km/h, was sich auf dem Schlitten doppelt so schnell anfühlt.
Während der Fahrt wechselte die Landschaft von flachen Gebieten zu dichten Wäldern und dann wieder zu der flachen und weiten Schneelandschaft. Weit und breit war weder ein Berg, noch ein Haus oder irgendetwas zu sehen.

Nur einmal während der Fahrt sahen wir ganz weit entfernt zwei Elche – zum Glück haben die Hunde sie nicht gehört, sonst hätten sie sie jagen wollen.
Wir machten immer wieder kleine Pausen, damit die Hunde durchatmen konnten. Doch ich hatte das Gefühl, dass sie das gar nicht brauchten: Kaum stand man mal 10 Sekunden, schon beschwerten sie sich, weil sie weiter wollten und jaulten los.
Nach ungefähr 20 Kilometern machten wir unsere Mittagspause. Da die Hunde den Ort schon kennen, verstanden sie, dass es eine längere Pause gibt und beschwerten sich nicht. Wir lockerten die Leinen, damit sie sich freier bewegen konnten und jeder bekam einen Snack. Auch wir bekamen einen: Daniela hatte leckere Sandwiches für uns vorbereitet und grillte sie über dem Feuer. Sogar Nachtisch gab es: Selbstgemachte Haferkekse.

Schon ging es weiter, noch 10 Kilometer bis zurück zur Farm. Langsam aber sicher freute ich mich über das Ende der Tour, denn so viel Spaß sie auch machte, meine Füße und Hände waren verdammt kalt. An der Farm angekommen, schnallten wir die Hunde ab und brachten sie zurück in die Gehege. Schon war der erste Tag der dreitägigen Tour vorbei – dunkel war es dann auch schon um 15 Uhr. Wir duschten erst Mal heiß und halfen um 17 Uhr die Hunde zu füttern. Da die andere Gruppe über Nacht weg blieb, waren nicht ganz so viel zu tun.

Tag zwei stand an und es war der gleiche Ablauf: Schlitten holen und festbinden, Hunde holen und festbinden, lautes Gebelle und los ging`s. Dieses Mal ein anderer Weg, aber auch ungefähr 30 Kilometer. Selbst nach dem langen Weg gestern, waren die Hunde einen Tag später schon wieder fit und total versessen darauf, zu rennen. Auch ich hatte mich auf den zweiten Tag total gefreut. Jetzt hatte ich ein Gefühl für das Lenken, die Hunde und es war sogar 10° wärmer.

Die eisigen Temperaturen waren zwar hart, aber die Hunde und das einzigartige Erlebnis waren es wert! Sowohl die Tiere als auch die Landschaft sind unbeschreiblich. Auch Daniela und Jens haben sich super um uns gekümmert – mindestens genauso gut wie um ihre Hunde. Ihr Rudel kann sich glücklich schätzen bei ihnen zu leben und wir hatten Glück dieses Abenteuer mit ihnen erleben zu dürfen!

Meine Nationalpark-Tour

Kananaskis Country, Foto: ©Denise Ott

Wie erhofft, habe ich tatsächlich noch jede Menge Tiere unterwegs gesehen, die ich nicht im Center behandelt habe!
Aber erst mal von vorne. Los ging es in Banff mit zwei Gondelfahrten auf die Berge rund um die Stadt und unbeschreiblichen Aussichten.

Über Lake Louise fuhr ich zum Jasper Nationalpark, wo ein bisschen gebummelt wurde und noch viel interessanter: Wo ich meine ersten Tiere in freier Wildbahn gesehen habe. Hier gab es unzählig viele Hirsche! Sie haben sich alle am Morgen am Straßenrand in großen Gruppen versammelt und ganz gemütlich gegrast, sich fotografieren lassen und von all den angehaltenen Autos voller neugieriger Touristen überhaupt nicht irritieren lassen. Am Tag darauf folgten Elche, Berg-Ziegen und jede Menge Eichhörnchen. Nicht nur Tiere kamen hier vor, sondern auch schon jede Menge Schnee.

Nach Jasper ging es über einen Pass unterhalb des Mount Robson nach British-Columbia in den Glacier Nationalpark, es folgte der Revelstoke National Park, der Yoho Nationalspark sowie der Kootenay Nationalpark und zuletzt eine lange Fahrt nach Edmonton zurück und letztlich schon zum Flughafen nach Hause.
Alle diese Parks waren voll mit Tieren! Elche, Kojoten, Wölfe, Bighorn Sheep und Adler – gefehlt hat lediglich ein Bär, der hätte meine Liste mit Tieren komplett gemacht – das ist wohl ein Grund wieder zu kommen!

Unterwegs habe ich tatsächlich schon immer mal wieder das MRWC vermisst. Öfters habe ich mich gefragt, was wohl unsere Tiere alle gerade machen, wie es den anderen Freiwilligen geht und was es Neues gibt. So muss ich wohl erst recht wieder kommen!

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass sich die 3000 Kilometer lange Fahrt mit dem Auto durch die ganzen Gebirge auf manchmal abenteuerlichen Straßen und teils sogar Schotterpisten sehr gelohnt haben! Die Rocky Mountains sind unvergleichlich. Riesig und vielfältig. Kaum sieht man einen sehr kantigen kahlen Berg, schon ist gegenüber ein anderer, runder mit Bäumen übersäht zu sehen, der am Fuß ein riesiges Flussbett zu bieten hat. Der Anblick versetzt einen mit nur ein bisschen Fantasie um Jahrhunderte zurück und man kann sich sehr gut vorstellen, wie Indianer durch diese ewig weiten Gebiete gezogen sind und wie sie auch Herden von Bisons wohl gejagt haben. Die habe ich zwar auch leider nicht gesehen, aber dafür alles andere, was man braucht, um glücklich und zufrieden wieder heimfahren zu können. Diese Route ist nicht nur laut dem Reiseführer von National Geographics unter den Top 100 Routen, die man in seinem Leben fahren muss, sondern definitiv auch eine, die ich weiter empfehlen würde.

 

3 Monate, 12 Wochen, 93 Tage

Hawk, Foto: ©Denise Ott

3 Monate, 12 Wochen, 93 Tage und eine Jahreszeit später: So lange bin ich hier in Kanada und so viel Zeit ist tatsächlich schon um! Der Herbst steht vor der Tür und für uns im Center heißt das: Jede Menge Tiere noch vor Wintereinbruch freilassen. Für alle Vögel, die fliegen können und alle Säugetiere, die sich vollständig erholt haben, steht ganz klar an: Frei lassen, damit ihnen genug Zeit bleibt sich für den Winter vorzubereiten. So hab ich erst vor wenigen Tagen einen „Hawk“ (Falke) freigelassen.

Für mich heißt das, dass auch meine Zeit im Centre vorbei ist. Ich habe hier so viele Tiere gesehen und vieles über sie gelernt, was sie nun noch faszinierender macht. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass Eulen die Knochen ihrer Beute nicht verdauen können und sie wieder auswürgen müssen, Elstern für verstorbene Familienmitglieder eine Art Beerdigung abhalten, Hawks mit ihrem Kot ihr Revier markieren – so sahen leider auch ihr Gehege aus – und Stinktiere mehrere Wochen brauchen, um die wenigen Tropfen in ihrer Stinkdrüse wieder herzustellen. Und noch so einiges mehr, was ich gar nicht alles hier aufzählen kann!
Ganz klar war das Freilassen der Tiere immer einer der schönsten Momente für mich. Es war faszinierend mit anzusehen, wie sie endlich wieder in der Luft frei und weit fliegen, im Wasser planschen oder auf dem offenen Feld ihren Artgenossen entgegenrennen.

Genau aus diesem Grund war ich hergekommen und genau diese Momente waren die Anstrengung während der Arbeit wert. Ich hatte das Gefühl, etwas Gutes zu tun, zu helfen und das Richtige mit meiner Arbeit zu erreichen – also genau das, was ich mir vorgenommen habe.

Neben den Wildtieren habe ich auch meine stetigen tierischen Begleiter wie Sofia, Eliott, Luca, Paul(a) und Otis ins Herz geschlossen und werde sie auf jeden Fall vermissen! Sie sind alle einzigartige Tiere, denen wir hier eine etwas andere zweite Chance auf ein Leben gegeben haben. Und sie genießen es nicht nur, sie bringen auch uns immer wieder Freude.
Was mir während dem Projekt auch klar geworden ist: Ich tue das hier definitiv mit den richtigen Leuten! Carol Kelly, ihr Mann Grant und all die Angestellten lieben die Tiere und leben ihren Job mit viel Begeisterung. Sie waren sehr dankbar für jeden Freiweilligen, der ihnen hier mit dem Vollzeitjob unter die Arme greift, denn schließlich ist das MRWC 24 Stunden, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr für verletzte Tiere offen – auch an Weihnachten oder sonstigen Feiertagen. Das Wildlife Centre ist Carols Leidenschaft und es hat mir dadurch nur noch mehr Spaß gemacht! Ich werde definitiv irgendwann einmal wieder kommen und kann jedem Tierfreund dieses Projekt hier in Alberta nur empfehlen. Man hilft hier hautnah bei der Tierpflege, kümmert sich selbständig um seine Patienten, ist live bei den Freilassungen dabei und hat nebenbei noch jede Menge Spaß!

Nicht nur Tiere und Carol habe ich hier kennengelernt. Auch jede Menge neue Freunde habe ich hier gefunden, mit ihnen die Zeit erlebt, jede Menge schöne Erinnerungen gesammelt und schon Pläne für ein Wiedersehen in Kanada geschmiedet.

Nach dem Abschied aus dem Centre geht es für mich aber nicht direkt wieder nach Deutschland, sondern erst noch ein bisschen die Rocky Mountains erkunden. Vermutlich mit einem etwas anderen Blick als die meisten Touristen hier. Immer schön auf die Natur und die Tierwelt achtend werde ich hier noch ein paar schöne Tage verbringen – vielleicht auch noch das ein oder andere Tier sehen, welches wir nicht im Center hatten.

Jasper Nationalpark, Foto: ©Denise Ott

Jasper Nationalpark, Foto: ©Denise Ott

Luka – Red Tail Hawk

Luka, Foto: ©Denise Ott

Ein weiteres unserer Education Animals ist Luka. Sie kam zu uns als sie gerade wenige Tage alt war und sah uns Menschen als erstes. So passierte, was nun ein mal in der Natur der Vögel liegt: Sie sah uns, dachte sie ist einer von uns und hält sich nun für einen Menschen.
Jegliche Versuche sie wieder mit anderen Falken zusammenzusetzen, damit sie lernt einer zu sein, waren erfolglos. Sie blieb der festen Überzeugung eine von uns zu sein und liebt es, Zeit mit Carol und den anderen Angestellten zu verbringen. Schnell zeigte sich auch ihre Eignung als ein sehr gutes „Education Animal“. Menschen sind sehr interessiert an Falken, doch wissen wenig über sie. Dank Luka kann man ihr Interesse an Programmen wecken und ihnen viel über Lukas Artgenossen, aber auch über andere Tiere und die Natur beibringen.
Darüberhinaus ist Luka auch noch sehr gesprächig! Immer zwitschert sie fröhlich vor sich hin, wenn jemand an ihr vorbeiläuft, und manchmal denkt man bei der Fütterung fast, dass sie danke sagt.

Sie ist ein wunderschöner Falke mit viel Charakter, Temperament und ein kleiner Programm-Liebling. Auch wenn sie sich für einen Menschen hält, ist sie ein nicht wegzudenkendes „Education Animal“!

Neue Familienmitglieder im MRWC

Eliott & Paul(a), Fotos: ©Denise Ott

Manchmal kommt es vor, dass wir einen unserer tierischen Patienten nicht wieder auswildern können. Nicht etwa, weil sie versterben, sondern einfach weil sie Verletzungen haben, die es ihnen unmöglich machen in der Natur zu überleben. Davon gibt es so einige: Blindheit oder verletzte Krallen bei Greifvögeln machen ihnen das Jagen unmöglich und folglich verhungern sie, Wasservögel mit stark verbogenen oder gar ganz gebrochenen Schnäbeln sind ebenfalls unfähig genug Nahrung zu sich zu nehmen, zu freundliche Säugetiere nähern sich belebten Städten oder Straßen und kommen dann durch Unfälle zu Tode.

Leider ist es dem MRWC aus Geld-, Platz- oder gar rechtlichen Gründen nicht möglich immer alle Tiere mit solchen Vorgeschichten zu behalten. Doch momentan sind wir dabei, zwei ganz besondere Tiere an uns Menschen zu gewöhnen und ihnen so eine Chance geben, einfach zu leben! Sie sollen als sogenannte „Education Animals“ ausgebildet werden und Carol Kelly bei Programmen in Schulen, Vereinen, Veranstaltungen, Spendensammlung-Events und ähnlichem begleiten. Aktuell haben wir drei Education Animals, die diesen Job schon vorbildlich erledigen: Unsere Sofia („Great Grey Owl“), unser Otis („Great Grand Owl“) und unsere Luca („Swainson Hawk“).

Einer unserer neuen tierischen Freunde heißt Eliott – genauer „Eliott, The Skunk“. Er ist schon seit drei Monaten bei uns. Man fand ihn nicht alleine, sondern mit seinen ganzen Geschwistern. Doch er unterschied sich von ihnen und fiel sofort auf: Er war sehr klein, sehr leise und hinzu kam noch, dass er nur drei Beine und einen sehr kleinen Schwanz hat. An sich sollten ihn diese kleinen Behinderungen nicht an einem Leben in der Wildnis hindern, doch leider war er zusätzlich stark unterernährt. Wir gehen davon aus, dass er aufgrund seiner Größe und Stille, von seiner Mutter übersehen wurde und dadurch nicht genug Nahrung bekam. Er gewöhnte sich sehr schnell an uns Menschen, sprühte nie, liebte es zu kuscheln und schnell war klar: Er kann aufgrund seiner momentanen Schwäche nicht so schnell wieder ausgewildert werden und er würde es mit so einem kleinen Schwanz schwer haben, sich gegen andere Stinktiere durchzusetzen. Somit verließen seine fitten Geschwister uns sehr schnell wieder, Eliott hingegen blieb. Und schon hatten wir ein neues MRWC-Familienmitglied und „Education Animal“. Täglich gehen wir mit ihm spazieren und kuscheln mit ihm. Es ist ihm anzusehen, wie wohl er sich bei uns fühlt und dass er uns für seine Familie hält. Und das mit der Familie meine ich auch so: Er spielt mit uns als wären wir seine Geschwister. Stinktiere spielen in dem sie aufstampfen, auf dem Boden kratzen und antäuschen zu sprühen – genau das macht er. Aber zum Glück täuscht er nur an zu sprühen – denn der Gestank  ist wirklich widerlich! Bald wird aus rechtlichen Gründen seine Stinkdrüse operativ entfernt, denn Wildlife Centres dürfen nur unter dieser Voraussetzung Stinktiere legal halten und von ihm geht dann auch keine stinkige „Gefahr“ mehr aus.

Seit zwei Wochen haben wir einen „Turkey Voiture“ – Truthahn. Anders wie Eliott befand sich der Truthahn eigentlich in einem sehr guten Zustand. Er wurde am Straßenrand gefunden und wollte einfach nicht wegfliegen. Nach dem wir ihn ein paar Tage im Centre behielten, er von alleine aß und keine weiteren Verletzungen festgestellt werden konnten, brachten wir ihn nach draußen in ein großes Gehege, damit er sich wieder an mehr Platz gewöhnt und das Fliegen übt. Doch hier war das Problem: Er wollte einfach nicht fliegen, egal was wir versuchten. Wir wollten ihn aufschrecken, haben sein Essen weit oben hingelegt, ihn sanft hochgeworfen, um Starthilfe zu geben – doch immer blieb er auf dem Boden sitzen. Carol fuhr extra drei Stunden mit ihm raus nach Drumheller, da es dort sehr viele Truthähne gibt. Sie ließ ihn frei, andere seiner Art kamen sogar interessiert angeflogen, er jedoch blieb unbeeindruckt sitzen, lief nicht einmal weg. Nach diesem Versuch war klar: Er ist zu gesund, um ihn einfach einzuschläfern, würde aber draußen in Freiheit nicht überleben, weil er einfach zu friedfertig ist und noch nicht  einmal vor uns weg laufen möchte. Also haben wir noch ein neues Mitglied hier in unsere Truppe. Momentan sind wir dabei, ihn an uns  zu gewöhnen und von Menschen direkt Nahrung anzunehmen. Jeden Gopher legen wir einzeln mit der Hand in sein Gehege, versuchen sogar, dass er es direkt von unserer Hand nimmt. Hierbei braucht man allerdings noch ziemlich Geduld, da er erst isst, wenn sein Fressen auf dem Boden vor ihm und nicht auf unserer Hand liegt. Doch ich glaube, dass er sich bald an uns gewöhnt, versteht, dass wir ihm nichts tun und ich hoffe er fühlt sich bald wohl. Einen Namen haben wir auch schon gefunden: Paula – oder Paul, da das Geschlecht noch nicht ganz geklärt werden konnte. Turkey Voiture Männchen und Weibchen unterscheiden sich nämlich nur in der Größe um wenige Zentimeter, und da Carol noch nie einen längere Zeit bei sich hatte, gestaltet sich die Definition noch etwas schwierig – wahrscheinlich bleibt uns nur ein DNA Test über die Feder übrig. Ich werde euch über das Ergebnis auf jeden Fall berichten!

 

Calgary – mal wieder Großstadtluft schnuppern

Olympic Plaza, Fotos: ©Denise Ott

In den letzten drei Tagen standen unsere nächsten freien Tage an und es ging nach Calgary – in die viertgrößte Stadt Kanadas und die mit den meisten Sonnentagen im Jahr. Sowohl das mit der Größe als auch das mit dem Wetter kann ich bestätigen. Es war nach zehn Wochen in unserem idyllischen Wald mit all den Tieren und der frischen Luft ein ganz schönes Kontrastprogramm, in das Großstadtleben einzutauchen. Überfüllt, trist und grau war es aber auf keinen Fall! Wir hatten drei Tage lang das beste Wetter für unseren Ausflug und haben dieses auch vollkommen ausgenutzt.

So starteten wir unseren ersten Tag in einer Höhe von 190 Metern – auf dem Calgary Tower:

Er gilt als Wahrzeichen der Stadt und war einst ihr höchstes Gebäude. Dieser Titel kam ihm jedoch im Laufe der Jahre abhanden – aufgrund der wirtschaftlich guten Entwicklung Calgarys wurden höhere Türme erbaut.

Wir verbachten fast zwei Stunden auf dem Tower, da es so viel zu sehen und so viel Interessantes zu erfahren gab. Unglaubliche Menschen und ihre Geschichten, die direkt mit dem Tower zusammenhängen, kann man hier kennenlernen: Darunter die von einem Pilot, der auf dem Stampede Gelände ganz in der Nähe notlanden musste, von einer Frau, die sich bei der Abseilübung der Feuerwehr freiwillig mit nach unten hat mitnehmen lassen bis zu der Story von einem Rodeo-Reiter, der jährlich sein Pferd nach ganz oben auf die Aussichtsplattform mitnimmt.

Historisch hat Calgary aber auch einiges zu bieten. Die damaligen vier größten Landbesitzer – die sogenannten „Big Four“ – trafen sich hier immer wieder, um nicht nur ihre Geschäfte abzuwickeln, sondern auch um das weltbekannte, jährliche Festival „Calgary Stampede“ zu ermöglichen. Sie gaben nicht ganz uneigennützig die finanzielle Unterstützung: Das Festival ist bis heute ein riesiger Erfolg und lockt unzählige Menschen aus aller Welt in die Stadt. Nicht nur durch den Tourismus bekam Calgary einen wirtschaftlichen Aufschwung – auch das Öl steuert bis heute einen Großteil zum Erfolg der Stadt bei. Die USA beziehen das meiste Öl nicht etwa aus Kuwait oder Saudi-Arabien wie ich es erwartet hätte, sondern aus Kanada!

Als nächstes Ziel steuerten wir den „Olympic Plaza“ an, der 1988 zu Ehren der olympischen Spiele in Calgary erbaut wurde – Calgary war übrigens damals die erste kanadische Stadt, welche die Spiele ausrichten durfte. Hier auf dem Platz fanden dann immer sehr feierlich und mit vielen Emotionen die Siegerehrungen statt.

Wir schlenderten weiter auf die „Stephens-Avenue“. Eine sehr gemütliche Fußgängerzone mit viele kleinen Pubs, Restaurants und einer Mall. Hier wurde das Stadtleben noch deutlicher: Viele Menschen im Anzug, mittags war jedes Restaurant voll, etwas Hektik und Eile war zu spüren, aber nie – wie sollte es auch anders sein – unhöfliche Kanadier. Selbst hier in so einer großen Stadt waren alle sehr freundlich, zuvorkommend und auch rücksichtsvoll, gerade der Umwelt gegenüber. Für mich bleibt Calgary nicht als eine der größten Städte Kanadas in Erinnerung, sondern definitiv als die sauberste! Nirgends ist mir Papier oder anderer Müll auf dem Boden begegnet, ja nicht mal Zigarettenreste fanden sich an belebten Orten wie Bahnhöfen wieder.

Den nächsten Tag ließen wir entspannter und weniger kulturell angehen: Wir gingen in den Zoo – schließlich hatten etliche Meilen vom MRWC entfernt schon seit zig Stunden keine mehr gesehen. Der „Calgary Zoo“ unterteilt sich in die Abteilungen „Canadian Wildlife“, „Africa“, „Eurasien“ und „Prehistoric“.

Unseren letzten Tag ließen wir dann gemütlich ausklingen. Wir frühstückten bei „Tim Hortons“ – überlebenswichtig für Kanadier und an jeder Ecke hier zu finden! Anschließend schlenderten wir nochmal durch die Fußgängerzone sowie die Mall und genossen bei einem leckeren Muffin die Sonnenstrahlen auf der Wiese des „Olympic Plaza“.

Sofia – Great Grey Owl

Sofia, Fotos: ©Denise Ott

Unsere Great Grey Owl ist eine der beliebtesten Education Animals und bei fast jedem Programm dabei. Doch leider war ihr Weg zu uns alles andere als schön. Ihre Geschichte beginnt mit einem Autounfall:
Eines Tages wurde sie von einem Auto angefahren und der Fahrer ging davon aus, sie sei tot. Doch anstatt nachzusehen und sicherzugehen wie es ihr geht, ob sie leidet oder man ihr vielleicht doch noch helfen kann, fuhr er einfach weiter. Später erzählte er seiner Schwester von dem Vorfall – zu Sofias Glück! Sie lag eine Nacht lang bei minus 30Grad Celsius im Graben bis am nächsten Morgen die besorgte Schwester doch nochmal nach ihr schaute. Und das hat Sofia das Leben gerettet. Sie wurde mit angeschwollenem Kopf und starker Unterkühlung zu uns gebracht. Hier entwickelte sich ihr gesundheitlicher Zustand sehr gut, doch auch schnell wurde klar, dass der Unfall schwerwiegende Folgen hinterlassen hat: Sofia hat eines ihrer Augen verloren und blieb nach dem Unfall auf dem anderen blind.

Carol Kelly, so sehr sie die Tiere auch liebt, wollte das Tier schon einschläfern, denn eine blinde Eule ihr ganzes Leben lang durchzufüttern ist einfach nicht möglich. Doch auch hier hatte Sofia wieder Glück! Ein paar freiwillige Helfer hatten sie ins Herz geschlossen und wollten sie nicht aufgeben. Sie baten Carol um ein paar Wochen, um Sofia beizubringen von alleine zu essen. Und es ist ihnen tatsächlich gelungen! Sofia ist in der Lage selbständig zu essen – trotz fehlenden Augenlichts. Es gibt zwei Handzeichen für sie: Von vorne die Füße mit einem toten Erdhörnchen berühren heißt essen. Sie schnellt jeden zweiten Tag zur Fütterungszeit bei der Berührung nach unten, greift mit ihrem Schnabel danach und verspeist es problemlos. Das zweite Handzeichen ist das Berühren ihrer Füße von hinten. Dies gibt ihr das Signal, dass unsere Hand dort ist und sie draufsteigen kann.

Ihr wurde eine neue Chance auf ein Leben gegeben – zwar ein anderes Leben wie Eulen es normalerweise führen, aber ein glückliches und erfülltes.
Ihr Alltag sieht auch gar nicht so schlecht aus. In der Regel ist sie bei uns im Centre auf ihrem Baumstamm in ihrem Gehege.  Bei gutem Wetter geht es für sie tagsüber raus in ihr schönes Freiluftgehege. Egal wo sie ist, sie bekommt von uns immer ihr Essen, ein paar kleine Streicheleinheiten und Gespräche – ja wirklich Gespräche! Immer wenn man sie anspricht dreht sich ihr Kopf in unsere Richtung, denn hören kann sie ja noch und das natürlich wie bei Eulen üblich auch sehr gut. So hat man immer das Gefühl, dass sie einen trotzdem sieht und beobachtet. So kommt es dann dazu, dass man mit ihr ein, zwei Sätze wechselt, mit ihr spricht und sie damit unterhält – auch wenn sie natürlich nicht antwortet, zumindest nicht mit Worten.
Oft wird sie auch mit zu den MRWC-Programmen genommen, um den Menschen eine echte Eule zu zeigen – und meist ist sie dann auch das Highlight der Veranstaltungen. Sofia ist perfekt für große Gruppen von Besuchern oder Gästen geeignet. Sie bleibt immer so ruhig und brav auf ihrem Holzblock sitzen, dass viele denken sie sei nur ein Plüschtier oder gar ein Roboter.

Sie ist ein unverzichtbares Familienmitglied hier geworden und nicht nur ich, sondern jeder andere Freiwillige hier, schließt sie sofort ins Herz!
Sie ist wirklich eine unglaubliche Eule mit einer unglaublichen Geschichte – und jeder Menge unglaublichem Glück!

Die Wetlands – mehr als nur eine große Pfütze

Wetlands, Fotos: ©Denise Ott

Nicht nur hier direkt hinter dem MRWC (Medicine River Wildflife Centre) befindet sich ein sogenanntes „Wetland“ (Feuchtgebiet), sondern auch in ganz Alberta verteilt finden sich immer wieder welche. Kanadische Wetlands machen 24 Prozent aller Wetlands auf der Welt aus. Doch was sind Wetlands eigentlich? Sie sehen aus wie ein flacher See mit kleinen Inseln – oder eben eine große Pfütze mit vielen Gräsern. Man unterscheidet in drei Arten von Wetlands:

  • „Fens“ (Flachmoor),
  • „Bog“ (Sumpf) und
  • „Marshes“ (Moor).

„Fens“ erinnern oft an ein Weideland und sind in der Regel von Büschen und Bäumen umgeben. Sie kommen meistens in Gebieten mit einem konstanten Wasserlevel vor, da sie das Grundwasser als Quelle benutzen. „Bogs“ beziehen ihr Wasser aus dem Niederschlag und sind überwiegend von Torfmoos bedeckt. „Marshes“ zeichnen sich durch ihre großen offenen Wasserflächen aus und durch die unzähligen Schilfrohre – so wie unseres hier:

Lange Zeit hielt man die Wetlands für unnütz, doch ihre Wirkung und die Bedeutung für die Natur sind enorm. Sie filtern, regenerieren und befreien das Wasser von Verschmutzung, verhindern Überflutungen und dienen mehr als 250 Arten von Pflanzen, Amphibien, Säugetieren und Vögeln als Heimat – und die Anzahl steigt, da viele bedrohte Tierarten sich hier sehr gut erholen und fortpflanzen können. Die Notwendigkeit der Wetlands ist auch dem MRWC bewusst. So haben wir seit Jahren hier einen „Observation Tower“, der nicht nur eine atemberaubende Aussicht auf das Wasser ermöglicht, sondern auch voll mit Informationen zum Wetland und seinen Bewohnern ist.

Zur aktuellen Jahreszeit, also im August/September, sind die Feuchtgebiete auch sehr beliebt unter den Gänsen. Nicht nur morgens schon um sechs, sondern auch bis abends um acht Uhr hört man sie laut schnattern. Bald treten sie ihre lange Reise in den Süden an. Auf den Wetlands sammeln sie sich dafür zu großen Gruppen an.

Auch hier im Centre hat uns das Wetland schon Dienste erwiesen: Unzählige gesund gepflegte Wasservögel konnten wir freilassen und ihnen ein neues, wunderschönes Zuhause geben.

Auch zum Kanu fahren ist es ein sehr schöner Platz – man sieht dabei nicht nur manche Tiere ganz, sondern auch die ein oder andere imposante „Beaverlodge“ (Biberbau).

 

Feather Imping – neue Federn für eine Eule

Feather Imping – ready to fly, Fotos: ©Denise Ott

Diese Woche haben wir einer Great Horned Owl neue Federn verpasst – klingt merkwürdig, funktioniert aber tatsächlich! Diese Art der Behandlung wird „Feather Imping“ genannt.

Oft kommt es vor, dass Eulen oder andere Greifvögel ihre Federn teilweise verlieren und dadurch flugunfähig sind.

Feather Imping, Fotos: ©Denise Ott
Feather Imping, Fotos: ©Denise Ott

Damit sie aber nicht so lange im Centre bei uns bleiben müssen, bis neue nachwachsen, „kleben“ wir ihnen welche an. Hierzu werden Federn einer verstorbenen Eule, Kleber, Zahnstocher, Babypuder und Fingerspitzengefühl gebraucht.

Zunächst muss für jede Lücke eine passende neue Feder gefunden werden. Daraufhin wird der Zahnstocher in die neue Feder eingeführt, an das andere Ende wird der Kleber getropft und in das Federende der Eule eingeführt. Anschließend noch etwas Babypulver drüber, damit auch keine anderen Federn verkleben – fertig. Diesen Vorgang des „Drankleben“ bemerkt die Eule kaum. Das Gefühl in ihren Federn ist wie bei uns in unseren Haaren – also nahezu kein Gefühl.

Feather Imping – ready to fly, Fotos: ©Denise Ott
Feather Imping – ready to fly, Fotos: ©Denise Ott

Jetzt, mit einer neuen Pracht an Federn, kann die Eule wieder fliegen. Ihre neuen Federn stellen so lange ein Ersatz dar, bis andere nachwachsen und den Zahnstocher samt Ersatzfedern einfach heraus drücken.

Neu gewachsene Federn sehen übrigens sehr lustig aus! Sie wachsen gerade wie ein Stäbchen heraus, sind dabei aber noch wie in eine Plastikhülle eingewickelt – also nicht gespreizt wie die Federn, die sie auf den Bildern bereits hat. Später dann, löst sich diese Schicht und die Federn wie wir sie uns vorstellen sind da.

Mehre Information und eine genauere Beschreibung gibt es hier auch noch mal. Oder auch auf der Facebook Seite des Centres.