Stockholm – das Venedig des Nordens

Was tun, wenn man nur einen Tag in Stockholm hat? So ging es meiner Schwester und mir nach unserem Husky-Wochenende.
Von dem Flughafen Arlanda kamen wir mit dem „Arlanda Express“ innerhalb 20 Minuten direkt in die Stadtmitte von Stockholm. Von da aus waren es ungefähr zehn Gehminuten zu unserem Ziel: Gamla Stan – die Insel mit den süßesten Gässchen, Lädchen und Häusern.
Hier schlenderten wir durch die kleinen, alten Gassen, bummelten durch Läden und spazierten am Ufer entlang.

 

Durch eben diese verwinkelten Straßen, die kleinen Geschäfte und die Boote auf dem Wasser hat man tatsächlich das Gefühl man sei in Venedig. Nur dass dieses Venedig eben ein wenig kälter ist. Mit -3° und ein paar Schneeflocken, aber angenehm (immerhin wärmer als -25° wie zwei Tage zuvor). Sogar jede Menge italienische Restaurants gibt es hier.


Auf typisch schwedische Dinge sind wir aber natürlich auch getroffen. Vor allem die Läden, welche Deko Artikel oder Souvenirs verkaufen, sind voll von schwedischen Berühmtheiten: Astrid Lindgren und all ihre Figuren finden sich überall wieder – sogar auf dem 20-Kronen-Schein. Die Mumins, Nils Holgerson, ABBA und letztlich auch die königliche Familie sind an jeder Ecke.
Vor dem königlichen Schloss („Kungliga slottet“) standen wir natürlich auch. Um ehrlich zu sein: Es ist nicht ganz so beeindruckend wie erwartet. Es ist sehr schlicht im Vergleich zum Rest der Stadt.

 

Von innen kann ich dies leider nicht beurteilen. Da wir eben nur diesen einen Tag hatten, wollten wir so viel Zeit wie möglich draußen verbringen. So blieben auch leider die unzähligen Museen auf der Strecke.
Aber alles was wir nicht sehen konnten ist ein Argument, um noch ein Mal wieder zu kommen. Und das kann ich nur jedem empfehlen, der mal nach einem Ziel für einen Kurzurlaub sucht. Die Stadt hat ihr ganz eigenes Flair und dabei ist es egal, ob man sie im Winter oder im Sommer besucht.

Huskyfarm Tväråträsk

„-25° ist das perfekte Wetter. Ihr habt Glück!“ So begrüßte uns Daniela am Flughafen in Lycksele, Schweden. So richtig konnten meine Schwester und ich dieses „Glück“ da noch nicht fassen. Was ich auf jeden Fall als Glück empfand war, dass wir endlich in Lycksele angekommen sind und nur noch eine Nacht meinem Kindheitstraum im Weg stand: Mit einem Husky-Schlitten durch die Winterlandschaft zu fahren.

Auf der Huskyfarm Tväråträsk von Daniela und Jens endlich angekommen, wurden wir schon mit Gejaule begrüßt. 75 Huskys, davon 10 Rentner und 5 Welpen,  freuten sich über den Besuch. Und ich konnte es kaum erwarten sie kennen zu lernen.
Nach einem Nachtmahl – einer sehr leckeren, selbstgemachten Karottensuppe von Jens – ging es in unser super gemütliches Haus für die kommenden drei Nächte. Es war mit sehr viel Liebe eingerichtet und wir fühlten uns sofort wohl.

Am nächsten Tag ging es dann endlich los. Daniela gab uns Einweisungen, wie der Schlitten zu lenken und zu bremsen ist. Das Kommando zum Stehenbleiben ist ein langgezogenes „Stoh“ und für das weiterlaufen „Yip“. Es waren doch recht viele Informationen auf einmal und ich wurde nervös. Ich wollte weder mit dem Schlitten umkippen, noch die Hunde dabei verletzen.
Bevor es aber auch praktisch für uns los ging, startete vor uns zunächst einmal eine sechsköpfige Gruppe ihre Tour. Es ist verrückt wie wild die Hunde auf das Rennen sind! Sie stürmen auf den Schlitten zu, jaulen, bellen, jammern und wollen nur noch rennen – mit 30 Hunden entsteht so ein höllischer Lärm.

Als die Gruppe in der Winterlandschaft verschwunden war, kam der Moment für meine Schwester und mich unsere Hunde kennen zu lernen und ich wurde immer mehr nervös. Daniela machte einen Rundgang mit uns durch die Gehege und stellte uns unsere „Lead-Dogs“ und „Wheel-Dogs“ vor. Mein Gespann bestand aus Ponca, Salto, Molly und Tagish. Ich holte nach und nach meine Hunde heraus und schnallte sie an den Schlitten – das gelang mir schon mal. Nach dem alle befestigt waren schoss als erstes Daniela mit ihren Hunden weg, dann meine Schwester und letztlich ich.

Es ist unglaublich, welche Kraft die Hunde haben! Zu viert ziehen sie mich und den Schlitten über den tiefen Schnee. Kaum waren wir vom Gelände runter, erblickte ich eine ewig weite, weiße Landschaft – wobei ich das erst am zweiten Tag so richtig wahrnahm. Jetzt war mein einziger Gedanke, mich auf dem Schlitten zu halten. Die Hunde erreichen bis zu 18 km/h, was sich auf dem Schlitten doppelt so schnell anfühlt.
Während der Fahrt wechselte die Landschaft von flachen Gebieten zu dichten Wäldern und dann wieder zu der flachen und weiten Schneelandschaft. Weit und breit war weder ein Berg, noch ein Haus oder irgendetwas zu sehen.

Nur einmal während der Fahrt sahen wir ganz weit entfernt zwei Elche – zum Glück haben die Hunde sie nicht gehört, sonst hätten sie sie jagen wollen.
Wir machten immer wieder kleine Pausen, damit die Hunde durchatmen konnten. Doch ich hatte das Gefühl, dass sie das gar nicht brauchten: Kaum stand man mal 10 Sekunden, schon beschwerten sie sich, weil sie weiter wollten und jaulten los.
Nach ungefähr 20 Kilometern machten wir unsere Mittagspause. Da die Hunde den Ort schon kennen, verstanden sie, dass es eine längere Pause gibt und beschwerten sich nicht. Wir lockerten die Leinen, damit sie sich freier bewegen konnten und jeder bekam einen Snack. Auch wir bekamen einen: Daniela hatte leckere Sandwiches für uns vorbereitet und grillte sie über dem Feuer. Sogar Nachtisch gab es: Selbstgemachte Haferkekse.

Schon ging es weiter, noch 10 Kilometer bis zurück zur Farm. Langsam aber sicher freute ich mich über das Ende der Tour, denn so viel Spaß sie auch machte, meine Füße und Hände waren verdammt kalt. An der Farm angekommen, schnallten wir die Hunde ab und brachten sie zurück in die Gehege. Schon war der erste Tag der dreitägigen Tour vorbei – dunkel war es dann auch schon um 15 Uhr. Wir duschten erst Mal heiß und halfen um 17 Uhr die Hunde zu füttern. Da die andere Gruppe über Nacht weg blieb, waren nicht ganz so viel zu tun.

Tag zwei stand an und es war der gleiche Ablauf: Schlitten holen und festbinden, Hunde holen und festbinden, lautes Gebelle und los ging`s. Dieses Mal ein anderer Weg, aber auch ungefähr 30 Kilometer. Selbst nach dem langen Weg gestern, waren die Hunde einen Tag später schon wieder fit und total versessen darauf, zu rennen. Auch ich hatte mich auf den zweiten Tag total gefreut. Jetzt hatte ich ein Gefühl für das Lenken, die Hunde und es war sogar 10° wärmer.

Die eisigen Temperaturen waren zwar hart, aber die Hunde und das einzigartige Erlebnis waren es wert! Sowohl die Tiere als auch die Landschaft sind unbeschreiblich. Auch Daniela und Jens haben sich super um uns gekümmert – mindestens genauso gut wie um ihre Hunde. Ihr Rudel kann sich glücklich schätzen bei ihnen zu leben und wir hatten Glück dieses Abenteuer mit ihnen erleben zu dürfen!