Neue Familienmitglieder im MRWC

Eliott & Paul(a), Fotos: ©Denise Ott

Manchmal kommt es vor, dass wir einen unserer tierischen Patienten nicht wieder auswildern können. Nicht etwa, weil sie versterben, sondern einfach weil sie Verletzungen haben, die es ihnen unmöglich machen in der Natur zu überleben. Davon gibt es so einige: Blindheit oder verletzte Krallen bei Greifvögeln machen ihnen das Jagen unmöglich und folglich verhungern sie, Wasservögel mit stark verbogenen oder gar ganz gebrochenen Schnäbeln sind ebenfalls unfähig genug Nahrung zu sich zu nehmen, zu freundliche Säugetiere nähern sich belebten Städten oder Straßen und kommen dann durch Unfälle zu Tode.

Leider ist es dem MRWC aus Geld-, Platz- oder gar rechtlichen Gründen nicht möglich immer alle Tiere mit solchen Vorgeschichten zu behalten. Doch momentan sind wir dabei, zwei ganz besondere Tiere an uns Menschen zu gewöhnen und ihnen so eine Chance geben, einfach zu leben! Sie sollen als sogenannte „Education Animals“ ausgebildet werden und Carol Kelly bei Programmen in Schulen, Vereinen, Veranstaltungen, Spendensammlung-Events und ähnlichem begleiten. Aktuell haben wir drei Education Animals, die diesen Job schon vorbildlich erledigen: Unsere Sofia („Great Grey Owl“), unser Otis („Great Grand Owl“) und unsere Luca („Swainson Hawk“).

Einer unserer neuen tierischen Freunde heißt Eliott – genauer „Eliott, The Skunk“. Er ist schon seit drei Monaten bei uns. Man fand ihn nicht alleine, sondern mit seinen ganzen Geschwistern. Doch er unterschied sich von ihnen und fiel sofort auf: Er war sehr klein, sehr leise und hinzu kam noch, dass er nur drei Beine und einen sehr kleinen Schwanz hat. An sich sollten ihn diese kleinen Behinderungen nicht an einem Leben in der Wildnis hindern, doch leider war er zusätzlich stark unterernährt. Wir gehen davon aus, dass er aufgrund seiner Größe und Stille, von seiner Mutter übersehen wurde und dadurch nicht genug Nahrung bekam. Er gewöhnte sich sehr schnell an uns Menschen, sprühte nie, liebte es zu kuscheln und schnell war klar: Er kann aufgrund seiner momentanen Schwäche nicht so schnell wieder ausgewildert werden und er würde es mit so einem kleinen Schwanz schwer haben, sich gegen andere Stinktiere durchzusetzen. Somit verließen seine fitten Geschwister uns sehr schnell wieder, Eliott hingegen blieb. Und schon hatten wir ein neues MRWC-Familienmitglied und „Education Animal“. Täglich gehen wir mit ihm spazieren und kuscheln mit ihm. Es ist ihm anzusehen, wie wohl er sich bei uns fühlt und dass er uns für seine Familie hält. Und das mit der Familie meine ich auch so: Er spielt mit uns als wären wir seine Geschwister. Stinktiere spielen in dem sie aufstampfen, auf dem Boden kratzen und antäuschen zu sprühen – genau das macht er. Aber zum Glück täuscht er nur an zu sprühen – denn der Gestank  ist wirklich widerlich! Bald wird aus rechtlichen Gründen seine Stinkdrüse operativ entfernt, denn Wildlife Centres dürfen nur unter dieser Voraussetzung Stinktiere legal halten und von ihm geht dann auch keine stinkige „Gefahr“ mehr aus.

Seit zwei Wochen haben wir einen „Turkey Voiture“ – Truthahn. Anders wie Eliott befand sich der Truthahn eigentlich in einem sehr guten Zustand. Er wurde am Straßenrand gefunden und wollte einfach nicht wegfliegen. Nach dem wir ihn ein paar Tage im Centre behielten, er von alleine aß und keine weiteren Verletzungen festgestellt werden konnten, brachten wir ihn nach draußen in ein großes Gehege, damit er sich wieder an mehr Platz gewöhnt und das Fliegen übt. Doch hier war das Problem: Er wollte einfach nicht fliegen, egal was wir versuchten. Wir wollten ihn aufschrecken, haben sein Essen weit oben hingelegt, ihn sanft hochgeworfen, um Starthilfe zu geben – doch immer blieb er auf dem Boden sitzen. Carol fuhr extra drei Stunden mit ihm raus nach Drumheller, da es dort sehr viele Truthähne gibt. Sie ließ ihn frei, andere seiner Art kamen sogar interessiert angeflogen, er jedoch blieb unbeeindruckt sitzen, lief nicht einmal weg. Nach diesem Versuch war klar: Er ist zu gesund, um ihn einfach einzuschläfern, würde aber draußen in Freiheit nicht überleben, weil er einfach zu friedfertig ist und noch nicht  einmal vor uns weg laufen möchte. Also haben wir noch ein neues Mitglied hier in unsere Truppe. Momentan sind wir dabei, ihn an uns  zu gewöhnen und von Menschen direkt Nahrung anzunehmen. Jeden Gopher legen wir einzeln mit der Hand in sein Gehege, versuchen sogar, dass er es direkt von unserer Hand nimmt. Hierbei braucht man allerdings noch ziemlich Geduld, da er erst isst, wenn sein Fressen auf dem Boden vor ihm und nicht auf unserer Hand liegt. Doch ich glaube, dass er sich bald an uns gewöhnt, versteht, dass wir ihm nichts tun und ich hoffe er fühlt sich bald wohl. Einen Namen haben wir auch schon gefunden: Paula – oder Paul, da das Geschlecht noch nicht ganz geklärt werden konnte. Turkey Voiture Männchen und Weibchen unterscheiden sich nämlich nur in der Größe um wenige Zentimeter, und da Carol noch nie einen längere Zeit bei sich hatte, gestaltet sich die Definition noch etwas schwierig – wahrscheinlich bleibt uns nur ein DNA Test über die Feder übrig. Ich werde euch über das Ergebnis auf jeden Fall berichten!

 

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