Waterfowls – über unsere Wasservögel

Yellow-billed Loon, Fotos: ©Denise Ott

Schon seit sechs Wochen bin ich nun in Kanada und versuche der Tierwelt hier etwas zurückzugeben.

Aber ich tue nicht nur Gutes, ich lerne auch für mich selbst sehr viel Neues. Nicht nur mein Englisch verbessert sich von Tag zu Tag, auch im Umgang mit den unzähligen Tieren hier fühle ich mich immer sicherer. Hier im Centre bekommt jeder Freiwillige ungefähr alle ein bis zwei Wochen einen neuen Aufgabenbereich zugeteilt, damit jeder lernt, was jeweils wichtig ist, genau weiß was er zu tun hat und kein Tier vergessen wird. Wir haben folgende vier Bereiche: „Mammals“ (Säugetiere), „Songbirds“ (Singvögel), „Raptors“ (Greifvögel) und „Waterfowls“ (Wasservögel). Um letztere habe ich mich in der letzten Woche zum ersten Mal gekümmert und habe damit auch die letzten Handgriffe für diesen Bereich gelernt. Zu dem Bereich „Waterfowls“ gehört neben der medizinischen Verpflegung und dem Füttern, auch das Säubern des Innen- und Außengeheges. Das Wasser im kleinen See muss erneuert und (da Möwen und Gänse ganz schön Dreck machen und ihre Futterreste überall verteilen) gesäubert werden.

Momentan haben wir hier vier Gänse, die bei uns bleiben, da sie leider durch Unfälle flugunfähig sind. Außerdem haben wir Möwen und Enten, denen es schon viel besser geht und sobald sie erste Versuche wagen, zu fliegen, können wir sie wieder freilassen.

Erst letztens haben wir eine „Yellow-billed Loon“ (Gelbschnabeltaucher) hier in unseren Wetlands freigelassen. Man konnte sehen, wie glücklich sie war, wieder frei zu sein. Sie ist getaucht, hat sich gebadet und ließ sich von uns gar nicht stören – das Beobachten wieder gesunder, glücklicher, freigelassener Tiere ist definitiv einer der schönsten und emotionalsten Momente hier für mich!

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Banff, Sulphur Mountain, Lake Minnewanka & Muskelkater

Blick auf Banff, Foto: ©Denise Ott

Nicht nur eine einzigartige Tierwelt ist in Kanada vorzufinden – auch eine einzigartige Landschaft! Drei meiner zwölf freien Tage habe ich gerade mit einer anderen Freiweilligen in Banff verbracht. Es ist eine sehr kleine und sehr schöne Stadt, welche den Zugang zum „Banff National Park“ ermöglicht.

Den ersten Tag haben wir mit unserer Anreise und einem Bummel durch die Stadt verbracht. Auf der „Banff Avenue“  – die ausnahmsweise  nicht wie alle anderen Straßen nach einem Tier benannt ist – kann man sehr gut Andenken kaufen und Essen gehen. Beides haben wir natürlich sofort dort erledigt! Nachdem wir mit Souvenirs eingedeckt waren, haben wir im „Toque“ (übersetzt: „Mütze“, welche von den Kanadiern das ganze Jahr über, bei jedem Wetter getragen wird) einem Kanadischen Pub zu Abend gegessen. Den Abend haben wir mit einem Spaziergang über die Hauptstraße zurück zu unserem Hostel ausklingen lassen.

Unseren zweiten Tag haben wir nicht ganz so entspannt angehen lassen. Im Gegenteil: Wir sind den „Sulphur Mountain“ hoch gewandert anstatt die Gondel zu nehmen – wir wollten natürlich Natur und Tiere sehen. Doch was wir erst erfahren haben, als wir auf dem Weg waren: Es dauert bis zu drei Stunden den 5,5 Kilometer langen und sehr, sehr steilen Wanderweg ohne irgendwelche ebene Strecken zu erklimmen. Doch wir haben nicht aufgegeben und der harte Weg, die ganze Anstrengung und all der Schweiß haben sich definitiv gelohnt! Wir haben nicht nur unzählige Erdhörnchen, Murmeltiere und ein Reh gesehen, sondern auch diesen unglaublichen Blick auf das Gebirge gehabt:

All die Leute, welche sich für den bequemen Weg zu der 2.541 Meter hohen Spitze mit der Gondel entschieden haben, haben diese Aussicht verpasst und waren definitiv nicht so von Stolz erfüllt wie wir. Dafür gab es noch mal ganz auf der Spitze des Berges diese Aussicht:

An unserem dritten und letzten Tag haben wir das gute Wetter noch genutzt und sind an den „Lake Minnewanka“ gefahren. Unter dessen Wasseroberfläche befindet sich ein ganzes Dorf, das vor langer Zeit überflutet wurde. Wir wollten sportlich bleiben, dem Muskelkater von gestern entgegenwirken und haben uns für zwei Stunden ein Tretboot gemietet. Auch hier: Es hat sich definitiv wieder gelohnt ins Schwitzen zu kommen und so einzigartige Blicke aus der Mitte des Sees auf dieses Panorama zu bekommen:

Abschließend nochmal schnell durch die Stadt, den Wasserfall am Ortsrand angeschaut und schon ging unser Bus zurück nach Red Deer.

Der Banff National Park ist definitiv eines der schönsten Gebiete hier! Ich war teilweise sprachlos wie mächtig diese Gebirge hier sind und fasziniert von deren Anblick. Zwar erinnert die Stadt und die Gegend auch schnell an europäisches Gebirge und Bergdörfer, aber sie hat definitiv ihren eigenen Charme! Und an die Größe dieser Berge, kommen keine anderen in Europa so schnell heran. Und diese tierischen Wegbegleiter findet man in heimischen Gefilden wohl auch eher weniger:

Fostering: Wie das MRWC eine Rehkitz-Mutter findet

Rehkitze, Foto: ©Denise Ott

Ich glaube, dass ich einen der faszinierendsten Momente der kanadischen Tierwelt bereits nach drei Wochen Aufenthalt erlebt habe: Das Auswildern der Rehkitze, bzw. das Finden einer Reh-Mutter, welche das verwaiste Baby aufnimmt.
Dieses „Aufnehmen“ ist nicht nur bei Rehen der Fall. Auch Vögel und viele Säugetiere nehmen verwaiste Kinder auf, kümmern sich um sie und ziehen sie wie ihre eigenen groß. Das ist definitiv ein Zeichen dafür, dass Tiere mehr sind als nur unbedeutende Lebewesen – sie haben genau so ein Einfühlungsvermögen und Bewusstsein für andere Tiere wie wir Menschen dies für andere Menschen haben. Einer der Gründe weswegen ich Tiere so liebe und ihnen in meiner Zeit hier im Medicine River Wildlife Centre ewas Gutes tun möchte.

Auf der Suche nach einer Pflegefamilie
Am Tag meiner Ankunft habe ich, wie bereits schon in dem Beitrag „endlich angekommen“ erwähnt, die Rehkitze treffen dürfen. Zu der Zeit befanden sich stolze sechs verwaiste Rehkitze in der Obhut des Centres. Jetzt, nur drei Wochen später, sind nur noch zwei übrig – für den Rest wurde erfolgreich eine neue Mutter gefunden.
Das „Fostering“ („Pflegefamilie suchen“) verläuft wie folgt:
Nachdem wir die verwaisten Tiere eine Zeit lang bei uns behalten und sie aufgepäppelt haben, sind sie nach geraumer Zeit gestärkt genug, um in die Wildnis entlassen zu werden. Hierbei sind wir auf die Hilfe der unzähligen Kontakte von Carol Kelly angewiesen. Leute berichten ihr, ob sie in der Nähe ihres Grundstücks Rehe mit ihren Babys gesehen haben. Sollte dies der Fall sein, dann ist dies ein geeigneter Ort, um einen Versuch zu starten. Hierbei ist jedoch wichtig zu beachten, wie viele Kinder die Mutter bereits hat! Wenn klar ist, dass sie bereits zwei pflegt, dann wäre es ihr und den Rehkitzen nur eine Last, noch ein drittes aufzunehmen. Sie wäre nicht in der Lage genügend Milch herzustellen, damit alle satt werden.

Hilferuf in den Wald
Um den Kontakt zwischen den gesichteten Rehen und unserem Rehkitz herzustellen benötigen wir das Aufnahmegerät, auf dem sich Hilferufe eines Rehkitzes befinden. Es wird „Play“ gedrückt und ein lauter Schrei ist durch den ganzen Wald zu hören. Daraufhin können zwei Szenarien eintreten:

1. Es passiert leider gar nichts und keine Reh-Mutter erhört den Schrei.
2. Eine Reh-Mutter hört den Schrei und kommt angerannt, schnauft laut, stampft mit den Füßen auf den Boden und gibt so das Zeichen, dass sie das Kleine aufnehmen möchte.

Dann muss alles ganz schnell gehen: Das Rehkitz muss aus seiner Box geholt werden, ein Stück auf seine neue Mutter zugetragen und frei gelassen werden. Wir müssen nun mit dem Truck schnell verschwinden, um das Kennenlernen nicht zu stören. Nach etwa zehn Minuten fahren wir noch Mal zurück an die Stelle, um sicher zu gehen, dass die Mutter das Kind auch wirklich aufgenommen hat und beide verschwunden sind. Leider habe ich vom „Fostering“ selbst keine Bilder, da das Reh meist so dicht hinter den Bäumen heraus kam, dass ich aus dem Truck keine guten Bilder machen konnte. Außerdem wollte ich das erste Treffen der neuen Familie nicht unnötig stören.

Manchmal braucht man Geduld
Leider tritt allerdings auch das oben zuerst genannte Szenario sehr oft ein, also keine Reh-Mutter kommt aus dem Wald. Manchmal waren wir schon bis zu drei Stunden unterwegs, haben an 15 verschiedenen Stellen gehalten und nichts ist passiert. Doch unsere Geduld zahlt sich aus und auch wenn es mal länger dauert, spricht der Erfolg für uns: Nur noch zwei weitere Rehkitze sind in unserer Obhut und nur noch für eins müssen wir eine Mutter in der freien Wildbahn finden, denn eines hat leider keine Chance mehr auf ein Leben in der Wildnis und wird bald in den Zoo gebracht. Es wurde von Menschen wochenlang mit dem falschen Futter gefüttert, gestreichelt, wie ein Haustier behandelt und hat sich nun so sehr an Unsereins gewöhnt, dass es zu zutraulich geworden ist. Dies könnte für das Tier in der Wildnis tödlich sein. Es passiert leider oft, dass Menschen die Tiere falsch pflegen und sie dann „verzogen“ zu uns bringen. Bei der Fütterung der Rehkitze ist es zum Beispiel wichtig Masken zu tragen, nicht zu reden und sie vor allem nicht zu streicheln, damit sie Menschen nicht mit Futter in Verbindung bringen. So gehen wir hier im Centre mit ihnen um – auch wenn es natürlich manchmal schwer fällt.