Otis – Great Horned Owl

Otis, Fotos: ©Denise Ott

Otis ist einer der ältesten Education Animals hier im Centre.
Er kam hier zu uns als er wenige Tage alt war. Sein Problem, weswegen er immer noch bei uns ist: Er weiß das gar nicht.

Als Otis das erste Mal seine Augen öffnete sah er uns – uns Menschen. Vögel prägen sich auf das Erste, was sie sehen. In der Regel ist das ja auch die jeweilige Mutter und somit alles kein Problem, doch bei Otis war es nun mal anders. Und so denkt er jetzt nicht etwa, dass er eine Eule ist, sondern ein Mensch wie wir. Natürlich kann er fliegen und isst Nagetiere wie alle anderen Eulen, doch er würde draußen in der Wildnis so nicht überleben. Ohne das Bewusstsein darüber, was er ist und wie er sich dementsprechend zu verhalten muss, hat er keine Chance da draußen. So war auch bei ihm schnell klar: Er kann nicht ausgewildert werden und ist unser neues Familienmitglied.
Und zwar ein Familienmitglied mit Charakter! Liebevoll wird er hier „Diva“ genannt. Er weiß genau was er will und was nicht und vor allem wen er mag und wen nicht. So kommt er nicht mit Sofia zurecht, hasst Katzen und besonders Ralph, und nur genau den einen Hund von Carol – alle anderen Tiere kann er sehr gut leiden. Er liebt es am Bauch gestreichelt zu werden und Carol erlaubt er sogar, ihn am Kopf zu kraulen wie einen Hund. Auch er ist ein sehr beliebtes Programm-Tier. Seine Auftritte hat er meist in Schulen und beeindruckt dort die Kinder.
Und so sieht auch ziemlich sein Alltag aus: Carol über die Schulter schauen bei der Arbeit, in ihrem Wintergarten herumfliegen, gestreichelt, gefüttert werden und hier und da ein paar Menschen auf Programmen beeindrucken.

Auch wenn er es gar nicht weiß, ist er eine der hübschesten Great Horned Owls, die ich hier gesehen habe. Er ist einfach liebenswert, freut sich über Streicheleinheiten und ist hier aus dem Centre nicht wegzudenken!

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The raptors and me – die Welt der Greifvögel im MRWC

Hawks, Foto: ©Denise Ott

Jetzt – am Ende meiner zweiten Woche – habe ich neue Aufgaben bekommen: Ich kümmere mich nun um alle „Raptors“ (Greifvögel). Dazu gehören „Crows“ (Raben), „Ravens“ (Krähen), „Magpies“ (Elster), „Merlins“ (Zwergfalke), „Kestrels“ (Turmfalke), „Eagles“ (Adler), „Hawks“ (Falken) und „Owls“ (Eulen).

Momentan haben wir drei Krähen und eine Elster hier im Center. Sie sind aus den unterschiedlichsten Gründen hier: Eine ist aus dem Nest gefallen, eine andere hat angeschwollene Augen und ist deswegen blind, die dritte Krähe wurde vom Auto angefahren und die Elster hat sich den Flügel gebrochen. Die Baby-Krähe erkennt man sehr gut durch ihre blauen Augen, welche sich im Alter verfärben zu schwarzen Augen:

In den Außengehegen befinden sich fünf Eulen, vier Adler und vier Falken. Auch hier sind wieder alle aus verschiedenen Gründen da: Von Autounfällen bis zum Verlust eines Flügels durch das Berühren eines Elektrozauns ist alles dabei.

Jeden morgen muss auch hier wieder jeder Greifvogel im Center gewogen werden, anschließend wird frisches Stroh, Wasser und Futter in deren Gehege gelegt und die unterschiedlichen Behandlungen folgen. In diesem Fall müssen die blinde Krähe sowie die Baby-Krähe stündlich gefüttert werden. Die anderen sind in der Lage selber zu essen und bekommen hin und wieder Mineralien verabreicht, welche die Genesung unterstützen sollen.

Die Greifvögel in den Außengehegen werden jeden zweiten Tag mit toten „Pocket Gophers“ (Erdhörnchen) gefüttert. Hierbei werfen wir sie lediglich in deren Gehege und zerlegen müssen sie sie sich selbst, damit sie das nicht verlernen.

 

Meine ersten tierischen Pflegekinder

Blue Jay, Foto: ©Denise Ott

Eine meiner ersten Aufgaben hier, die ich täglich – in diesem Fall sogar stündlich – erledigen muss, ist das Füttern der Vogelbabies. Zur Zeit haben wir hier: „Swalow“ (Schwalben), „Chipping Sparrow“ (Spatz), „American Robin“ (Amsel) und Blue Jays.

Natürlich helfe ich auch bei der Versorgung von anderen Tieren mit, wo ich kann. Nur momentan teile ich mir diese aufwändige Aufgabe bei den Vögeln mit einer der anderen Freiwilligen hier.

Jeden Morgen muss jeder einzelne der 17 Vögel gewogen werden. Es wird genau festgehalten, wie viel sie jeweils wiegen, um sicher zu gehen, dass sie an Gewicht gewinnen und nicht verlieren. Sollten sie verlieren, so wird ihre Ration an Futter erhöht. Momentan verfüttern wir 2-3 „Spritzen“: Eine kleine Spritze entspricht einem „cc“, das sind etwa zwei Teelöffel voll.
Nach dem Wiegen wird das erste Mal gefüttert. Das heißt, Vogel für Vogel bekommt die Spritze tief in den Schnabel eingeführt. Manche sind sogar schon so weit, dass sie fragen:

Andere wiederum müssen noch gezwungen werden. Beherzt müssen wir dann ihren Nacken greifen, den Schnabel öffnen und ihnen das Futter tief in den Rachen einführen.
Oft weigern sie sich natürlich, schütteln ihren Kopf, spucken das Futter wieder aus und es landet auf unserer Arbeitskleidung – dementsprechend schmutzig sieht sie auch aus.
Doch auch wenn es manchmal etwas Nerven aufreibend ist, all diese kleinen Schnäbel zu öffnen und zu füttern, mache ich es gerne. Denn ohne uns könnten diese aus dem Nest gefallenen Babys nicht überleben. Ich freue mich schon, wenn sie bald alt genug sind, um alleine zu essen und letztlich zu fliegen – manche versuchen es schon. Wenn dies dann alles eingetreten ist, können wir sie frei lassen.

Nebenbei helfe ich wie gesagt wo ich kann: Andere Vögel wie Krähen, kleine Bussarde oder Möwen halte ich fest, damit diese gefüttert werden können. Auch das Baby-Stinktier Eliott hab ich schon halten dürfen damit es gewaschen werden kann. Weiter Aufgaben sind: Reinigung des Außengeheges für Enten und Gänse, Futter für die Rehkitze, Eulen und Adler zubereiten. Sobald dies einer meiner Hauptaufgaben wird, erzähle ich euch hier natürlich genauer, warum diese Tiere hier sind und wie sie gepflegt werden.

Endlich angekommen

MRWC, Foto: ©Denise Ott

Die Busfahrt von Edmonton in Richtung Calgary erfüllte alle weiteren Klischees, welche man so über amerikanische und kanadische Städte hat: Breite, große Straßen mit noch größeren Autos, Werbung von Ärzten, Anwälten auf Parkbänken und wo man nur hinschaut kleine, aneinander gereihte Bungalows entlang der Straßen, in denen sich die typischen Läden wie „Wendy’s“, „Olive Garden“, „Harvey’s“ und „KFC“ finden. Doch nicht nur kleine Häuser, auch eine Ansammlung riesiger Hochhäuser ist zu sehen. Es folgen High Schools und Football-Felder, die das klassische Bild einer amerikanischen Großstadt abrunden.

Der Bus verließ langsam die Stadt und entlang der Autobahn ließen sich bereits die ersten Tiere am Rande blicken. Meine Freude, nun endlich ganz anzukommen, die Menschen kennenzulernen mit denen ich drei Monate verbringen werde und natürlich mich auch mit den Tieren vertraut zu machen, steigerte sich. Nach zwei Stunden kam ich in Red Deer an. Grant, der Mann der MRWC-Chefin Carol Kelly – sie nimmt am Tag bis zu 70 Anrufe von unerfahrenen Menschen, die ein Wildtier gefunden haben und Hilfe suchen, entgegen – holte mich ab. Wir fuhren eine weitere dreiviertel Stunde Auto. Er erzählte mir sehr viel über die Gegend hier. Angefangen bei den großen Entfernungen die zwischen den Städten liegen, bis über die Straßen, welche hier alle nur gerade verlaufen und somit – anders als bei uns mit Namen – nur mit Zahlen und den Himmelsrichtungen benannt werden. Die Landschaft hier teilt sich auf in Prärie, Gebirgsbeginn und Wald – das hat man sofort gesehen: Kaum fährt man eine Weile, schon ändert sich das Panorama um einen herum schlagartig. Wo eben noch weite Felder waren, sind auf einmal viele, dicht aneinander gereihte Bäume. Grant erzählte auch, dass die Öl-Förderung hier eine der Haupteinnahmequellen der Bewohner ist.

Endlich kamen wir an: Ich sah als erstes das große Medicine River Wildlife Center-Schild, welches jeden Besucher willkommen heißt. Ich lernte die fünf anderen freiwilligen Helfer kennen sowie Brittany, unsere Chefin hier was die Pflege der Tiere betrifft. Alle sind sehr nett, freuen sich über jeden Freiwilligen und erklären einem geduldig was wir zu tun haben.

Die ersten Tiere habe ich auch schon getroffen. Direkt in der Eingangshalle des Centers sitzt die blinde Eule Sofia. Aufgrund ihrer Behinderung ist es nicht möglich sie wieder auszuwildern. Und so bleibt sie hier, um nicht nur ihr Überleben zu sichern, sondern auch um hin und wieder als „Vorzeige-Eule“ den Besuchern den Umgang mit Tieren beizubringen.

Des Weiteren habe ich schon einen Baby-Elch, Rehkitze, sowie viele kleine und große Vögel getroffen und natürlich auch die zwei Babykatzen, welche sich ins unserem „Rig Shack“ (so werden hier unsere gemütlich eingerichtete Container genannt, in denen wir schlafen, essen und duschen) befinden, bis für sie eine neue Familie gefunden wird. Nicht nur Tiere habe ich mir anschauen dürfen, auch die Umgebung um das Center wurde mir gezeigt. Es ist unbeschreiblich schön hier, schaut selbst:

Noch ist alles sehr fremd für mich und ich werde bestimmt ein paar Tage brauchen bis ich mich eingelebt habe, weiß was zu tun ist und problemlos den anderen wirklich helfen kann. Sobald ich mich auch mit all den Tieren besser vertraut gemacht habe, stelle ich sie euch hier natürlich alle vor!

Mein erstes Zwischenziel

Flug, Foto: ©Denise Ott

Nach fast 14 Stunden habe ich nun endlich mein erstes Zwischenziel erreicht: Das HI-Hostel in Edmonton, Alberta. Nicht nur ich, sondern auch mein leicht übergewichtiger Koffer, der nach langem Aussortieren und wieder Einsortieren von wichtigen und weniger wichtigen Dingen nun gestern zu gemacht werden konnte und das ohne zu explodieren, ist heil angekommen.

Fast pünktlich bin ich am Sonntagmorgen in Frankfurt um 9.20 Uhr nach Toronto gestartet.
Mein Highlight während des ersten Fluges war eindeutig der Streckenabschnitt, der über Grönland führte. Es mag zwar für viele nur Schnee und Eis sein, doch für mich waren diese Weiten, die man aus dem Flugzeug sehen konnte, unbeschreiblich und einmalig. Außerdem: Wie will man diesen Teil der Erde denn schon sehen, wenn nicht aus einem Flugzeugfenster? Nach Städten, Flughäfen, Hotels oder sonstigem Leben kann man im Süden dieser eisigen Welt lange suchen. Und wenn mir der Bordcomputer schon als Außentemperatur -50°C anzeigt, dann ist dieser Teil des Landes bestimmt kein geeigneter Urlaubsort. Doch der Rest ist bestimmt mal eine Reise wert.

 

 

Nach gut 7 Stunden landete ich das erste Mal  – in Toronto. Wir lagen gut in der Zeit und so schaffte ich es innerhalb einer Stunde durch den ganzen Flughafen und alle Sicherheitszonen. Dies wäre mir bestimmt nicht so gut gelungen ohne die Hilfe der Kanadier vor Ort. So bestätigte sich das erste „Klischee“: Wirklich alle, ausnahmslos, waren sehr zuvorkommend und haben mir geholfen wo sie konnten. Von den Sicherheitsleuten und Flugbegleitern bis zu einem netten Ehepaar. Sie alle waren hilfsbereit als ich sie gestresst anredete „Wo muss ich denn hin?“, „Bin ich richtig ?“ und „Wo ist mein Gate ?“ – ich wollte meinen Anschlussflug auf keinen Fall verpassen.
Nur 20 Minuten nachdem ich das richtige Gate erreichte, ging es weiter in den nächsten Flieger nach Edmonton.
Der zweite Flug war wesentlich turbulenter als der erste – doch auch hier kam ich heil in Edmonton an. Ich suchte mir ein Taxi und erreichte das Hostel. Auch in der Stadt wird keine Ausnahme gemacht: Das Personal ist super freundlich, die Zimmer sauber und ich fühle mich wohl. Na ja, also soweit man sich eben nach langen Flügen und in einer völlig falschen Zeitzone eben wohl fühlen kann. Immerhin liegt Toronto sechs Stunden und Edmonton ganze acht Stunden hinter der deutschen Zeit.

Morgen geht es mit dem Bus weiter, bis ich endgültig mein „neues Zuhause“ für die nächsten drei Monate erreiche.
Ich kann es kaum erwarten, werde immer nervöser und aufgeregter und halte euch hier natürlich auf dem Laufenden!

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Vorfreude

Im November 2015 fing alles an: Das Ende der Schulzeit war schon abzusehen und es stellte sich mir die Frage, was danach wohl kommen wird. Direkt Studieren? Lieber erst mal ein paar Praktika? Oder doch das Abenteuer Ausland wagen? Schnell wurde mir klar, dass ich die Zeit nutzen wollte, um etwas von der Welt zu sehen. Raus aus Deutschland, um den Schulstress hinter mir zu lassen, neue Erfahrungen zu sammeln, gleichzeitig die Sprache Englisch zu vertiefen, sich eine zu Auszeit gönnen bevor der nächste Lernstress an der Uni losgeht und natürlich um einer meiner liebsten Interessen nachzugehen: Dem Reisen.
Und außerdem: Wenn nicht jetzt, wann dann?
So schnell zwar die Entscheidung für den Auslandsaufenthalt gefallen ist, so stellten sich neue Fragen. Wohin eigentlich? Was mache ich da? Und wie überhaupt?
Ich redete mit Freunden, Bekannten und meiner Familie, befragte das Internet und informierte mich auf unzähligen Seiten über noch viel unzähligere Organisationen. Ich kam nach langem Suchen und Grübeln zu dem Entschluss, dass ich meine Zeit in einem englischsprachigen Raum für ein paar Monate verbringen will. Dabei wollte ich nicht etwa nur wie ein Tourist dort sein, mich umsehen und oberflächlich die Menschen dort kennen lernen. Nein, ich wollte dort wohnen, was erleben, etwas haben woran ich mich in ein paar Jahren noch erinnere und vor allem etwas Gutes tun. Da mir Tiere schon immer sehr am Herzen liegen war die Frage nach dem „was tun“ schnell beantwortet.
Mit diesen Bedingungen filterte ich erneut alle Organisationen und deren Angebote. Dabei kristallisierte sich eine heraus, welche mir am meisten zusagte: Stepin.

Nach gründlichem Überlegen, traf ich einen Monat später meine Entscheidung letztlich aus dem Bauch heraus. Ich hatte ein gutes Gefühl bei Stepin. Sie kamen mir seriös, organisiert und freundlich vor. Genau dies bestätigte sich bereits im ersten E-Mail Kontakt. Meine Angst davor, mich falsch entschieden zu haben, vor dem Nichts zu stehen, da mir keine Kontaktperson helfen kann oder gar helfen will, legte sich sehr schnell. Meine Mails wurden innerhalb kürzester Zeit und freundlich beantwortet, der Kontakt zu dem Projekt „Alberta Wildlife“ war ebenfalls zügig hergestellt. Die erste Hürde war genommen.
Das Warten auf eine Antwort fühlte sich für mich an wie eine Ewigkeit – ich war sehr gespannt. Das Projekt gefiel mir immer mehr, ich ersehnte mir, angenommen zu werden und wollte am liebsten direkt los.

Dann, Ende des Jahres war es so weit und ich hatte endlich meine Zusage. Ich konnte es kaum glauben, nun stand fest, dass klappt, was ich mir so sehr gewünscht hatte. Jetzt gab es neben den Formalien nur noch eine Sache eigentlich: Die bevorstehenden Abiturprüfungen im März ebenfalls zu meistern.

Jetzt, im Juli 2016, habe ich mein Abi geschafft, den Prüfungsstress hinter mir, mich genug entspannt und vorbereitet auf die bevorstehende Zeit in Kanada. Nun mache ich hier meine letzten Schritte in Deutschland und gleichzeitig meine ersten für meinen Auslandsaufenthalt.